Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 3 (12.1874)
- Date
- 1874-12-01
- Page
- Seite 69 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Recht glauben. Wredigt am Saööath Mach 5635. Von vr. A. Stein, Rabbiner und Prediger der Meisel-Synagoge in Prag. ״In einer kleineil Erregung verließ ich dich, aber mit großem Erbarmen werde ich dich versammeln. In Fluth- Wuth verbarg ich einen Augenblick mein Antlitz dir, aber mit ewiger Liebe erbarme ich mich dein. Gleich Noach's Gewässer ist mir dieses — der ich geschworen habe, Roack/s Gewässer sollen nicht mehr über die Erde treten, habe ebenso geschworen, nicht mehr über dich zu zürnen und nicht mehr dich zu schelten. Wohl werden die Berge weichen und die Hügel wanken; aber meine Liebe wird von dir nicht weichen und mein Friedensbund nicht wanken — sprach dein Erbarmer, der Ewige." (Jes. 54, 7-10.) Es gibt Kleingläubige, die bei einem Unglückssalle, einem traurigen Ereignisse sofort allen Muth verlieren, weil sie darin nur das Vorspiel einer fortgesetzten Reihe von Schlägen erblicken, die schließlich zum Untergänge führen. Solche Kleingläubigkeit ist eine Schmach, weil sie das Böse für unabänderlich hält, was es doch nicht ist, sie ist ein Unglück, weil sie eil! vermeidliches Uebel zu einem nothwendigen macht. Gegen diese Kleingläubigkeit kämpft der Prophet, in den eben gelesenen Worten unsrer Haftara. Sie sind an die, im babylonischen Exile lebenden Juden gerichtet, sollen die Hoffnung auf ihre Befreiung beleben, den Glauben an eine bessere Zukunft wach rufen. An diesem Glauben ist Alles gelegen, aber er ist schwer herzustellen, weil die leidvolle Gegenwart, mit dem Bewußtsein tiefer Gesunkenheit einerseits, weil andrerseits auch die Erinnerung an die Urzeit, aus welcher berichtet wird, es habe einmal eine gänzliche Vertilgung des Menschengeschlechts, mit alleiniger Ausnahme Noachs und seiner Familie stattgefnnden, ihn nicht recht aufkommen läßt.