Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 2 (11.1874)
- Date
- 1874-11-01
- Page
- Seite 60 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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60 gesegneten Namen erworben haben. Der Talmud, der den Grundsatz aufstellt, ״ein Schulhaus habe größere Heiligkeit, als ein Gotteshaus," erzählt, daß einst Rabbi Juda der Fürst wohlwollende Männer, unter welchen der bewährte Schul- und Kinderfreund Chija sich befand, durch ganz Palästina sandte, um sich nach dem Zustande des Schulwesens erkundigen zu lassen. In einem Orte, in welchem sich kein Lehrhaus vorfand, fragten diese Abgesandten, wo denn die W ä ch t e r der Stadt geblieben? und als man ihnen die wohlbewaffnete Schutzmannschaft vorführte, bemerkten sie, nicht sie wären die wahren Wächter, sondern die Jrchsnlehrer, die in das Herz der Kinder, die Saat der Gottesfurcht, Tugend und Wissenschaft streuen, durch deren Segen Länder und Städte geschützt bleiben. Sohin, hochgeehrte Anwesende, ist eine jüdische Elementarschule zugleich die geweihte Stätte, an welcher die positive Religion gelehrt wird, verbunden mit der Anleitung zum Verftändniß der heiligen Urkunden in d e r Sprache, in der sie verfaßt worden sind, und welche wir als Bekenntniß der jüdischen Religion selbst, die Liebe gegen Gott und die Menschen um und neben uns zu ihren Cardinalpunkten rechnen, uns mit den: Geiste der Milde und Barmherzigkeit beseligen wollen, und bestrebt sind, den höchsten Aufgaben und idealen Zwecken der bürgerlichen Gesellschaft gerecht zu werden. Und gerade dadurch, daß die in einer solchen Anstalt Unterrichteten, in ihre spätere sociale Stellung eine wahrhaft humäne edle und tolerante Bildung hineintragen, liefert die confessionelle Schule den vollgültigen Beweis, daß sie den Vorwurf von Ausschließlichkeit von sich weise, vielmehr mit den geläuterten intellectuellen Ansprüchen der Jetztzeit in vollster Harmonie sich befinde. Um zu diesem schönen Ziele beizutragen, sind in erster Reihe Sie, die geehrten Mitglieder des Lehrerpersonals, erkoren. So sJwer und mühevoll, wie'gar nicht zu verkennen, Ihr Beruf an und für sich auch sein mag, so lohnend ist das Bewußtsein, als die Pioniere der Bildung und Cultur, als die wahren Kämpen und Vaterlandsvertheidiger gegen die Mächte der Finsterniß, der Unwissenheit und Lieblosigkeit, und mehr noch als die Hohepriester der lautersten Gotteserkenntniß an dem Hochaltäre der Jugenderziehung des erhabensten Dienstes zu warten. Soll darum die Schule ihre hohe Aufgabe erfüllen, dann müssen Sie, die permanenten geistigen Bauherrn und Bauführer, mit Lust und Liebe, mit gewissenhafter Sorgfalt und Treue, mit Umsicht und Einsicht, an das größte architektonische Werk gehen: das