Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 2 (11.1874)
- Date
- 1874-11-01
- Page
- Seite 59 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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59 nicht darum geschieht sie, weil ohne sie, das neuerrichtete Haus im Dienste des Materiellen steht und wir dieses vergeistigen müssen, sondern darum, weil das religiöse Element seinen wahren Werth erst erhält, so wir uns dessen als denkende intellectuelle Wesen bewußt werden; dem tobten Mechanismus, selbst auf idealem Gebiete, wollen wir durch die Weihe entgegentreten, und zwiefach-edel und erhaben wird die That, wenn wir sie vor ihrer Ausübung als solche mit vollem Bewußtsein anerkennen.' Und so heißen wir diese Feier willkommen und begrüßen Sie, hochverehrte Herren, welche sie durch Ihre Gegenwart verherrlichen. Die Einweihung eines neues Schulhauses ist überall und jederzeit ein erfreuliches Zeichen und bestätigt den Ausspruch, daß nicht von: Brode allein der Mensch lebe. Die Einweihung eines so Herrlichen Schulhauses, wie dieses, das sich würdig anschließt den prächtigen Lehranstalten, die durch die Fürsorge der Vertreter unserer geliebten Vaterstadt im Laufe des letzten Decenniums hier entstanden sind, ist die Bewährung des erleuchteten Fortschrittes und der unbestreitbaren Wahrheit, daß es in unserem wohlverstandenen Interesse liege, wenn der Aufenthalt unserer Jugend in einer Anstalt, die den Eckstein für die Zukunft bilden soll, nicht nur in geistiger sondern auch in körperlicher Beziehung, durch Licht und Lust, sich als wohlthätig bewähre. Die Einweihung einer jüdischen Elementarschule an Orten, wo consessionelle Schulen existiren, ist unter solchen Verhältnissen, wie sie hier stattfindet, ein Triumph der endlich siegenden Gerechtigkeit, der Freiheits- und Friedensliebe unter den verschiedenen Confessionen. Gestatten Sie mir nun in aller Kürze zu beleuchten, was wir unter einer jüdischen Elementarschule verstehen, und welche Aufgabe sie in unserer Zeit zu erfüllen hat. Schon kündet der Name auch seine Deutung. Es ist die Schule der Anfänger, eine grundlegende Unterrichtsanstalt, in welcher die Elemente aller menschlichen Bildung dem Kinder dargeboten und die elementarische Unterrichtsweise in ihrer reinsten und einfachsten Gestatt geübt werden soll. Die Elementarschule soll den jungen Erdenbürger bildungs- und unterrichtsfähig machen, in ihm die Empfänglichkeit für geistige Erkenntniß erwecken, und ihn zur dereinstigen Theilnahme an den geistigen Gütern seines Volkes vorbereiten. Die ganze Seele des Kindes, also des einst vollendeten Menschen, soll nach der Lehre der Pädagogik Gegenstand des Elementarunterrichtes sein. — Schon das Alterthum wußte den hohen Werth solcher Anstalten zu würdigen und die Tradition nennt uns hervorragende Könige in Juda, welche sich durch Errichtung von Schulen einen