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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-11-01 · 2 (11.1874) · p. Seite 55

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
2 (11.1874)
Date
1874-11-01
Page
Seite 55 (sequence 25)
Language
German
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55 eitel", sie mag wohl für den Inhalt dieses Fürstendaseins passen; wir glauben dieser Seele, daß sie krank und elend war, aber wir sträuben uns gegen die Zumuthung, wenn der Kranke nun auch dem Gesunden.sein Siechthum einreden will. Wie jedoch ist es gekommen, daß der Sohn der Morgenröthe in die nächtige Tiefe fiel, daß die Weisheit sein Elend nur gemehrt hat, daß das Jünglingsalter Salomo's von seinem Greisenthum geschändet worden ist? Die Weisen deuten ihre Meinung hierüber mit dem früher erwähnten Gleichniß an. Oberflächlich betrachtet, enthält es nichts Anderes, als die Umschreibung einer Schriftstelle, und es scheint, als hätten sie in leerem Spiele für Gott, ״König", für Weisheit ״einzige Tochter des Königs" gesetzt. Aber sie hatten am Spiele kein Ergötzen, sie wollten lehren und erklären und thaten es auch mit diesem Gleichniß: Warum hat denn der Freund des Fürsten die Tochter gefreit? Nicht aus inniger Neigung, nicht dem Zuge des Herzens folgend, nicht von jener heiligen Liebe entflammt, wie sie Salomo so herrlich im hohen Liede besungen hat, sondern in schlauer Erwägung, daß er dadurch all' die Schätze des Palastes gewinnen würde, nach denen sein Verlangen stand. Nun, wohl gerade so — darauf zielt das Gleichniß — war die Begierde Salomo's nach der Weisheit, der Tochter Gottes. Nicht in reiner unbedingter Hingebung strebte er nach ihr, sondern sie war ihm nur ein Mittel, nur die Güter der Erde zu gewinnen; sie war ihm ein Schaustück, ein Diadem, mit dem er vor den Menschen prunkte; da wurde die Welt voll seiner Weisheit, und sein Herz blieb leer, da hieß man ihn die Leuch te seiner Zeit, sein Inneres aber war finster, da zählte er zu den Höchsten, und seine Seele war ein Abgrund, eine Zeitlang hielt er vor, der elende Ersatz für wahres Glück, das ist Ruhm und Genuß, die falschen Sonnen und die falschen Blumen, die den Andern blenden und täuschen; dann aber schwand der nichtige Schein, und die Wüste blieb — das arme, alte, elende, wüste Herz, und der Greis klagte verzweifelnd über die Nichtigkeit des Irdischen, ein grauses Beispiel des prophetischen Satzes: ״Wer dem Nichtigen nachgeht, wird selbst zu Nichte." Furchtbar rächte sich der Frevel, daß er die heilige Tochter Gottes zu niederm Dienst entweiht hatte; ein trüber Lebenslauf, wo der Geist gleich dem Strom in der Wüste versandet und verloren geht. II. Soviel von Salomo, — der am e r st e n Tage des Festes uns entgegentritt; und am zweiten Tage ist es der sterbende M o s e h. Wahrlich ein wunderliches Volk dieses Israel; an dem Tage, wo alle ihre Gebete voll sind vom Tode ihres größten Propheten, wo

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