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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-11-01 · 2 (11.1874) · p. Seite 54

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
2 (11.1874)
Date
1874-11-01
Page
Seite 54 (sequence 24)
Language
German
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54 zarten Sinn des Sängers mit dem kühnen Muth des Helden in sich vereinigte, der in einem bewegten Leben reiche Erfahrung und Einsicht gesammelt hatte, wurde er auferzogen in Weisheit und Gottesfurcht, wurde fein Geist geweckt und sein Herz gebildet, und empfänglich wurde der Jüngling für alles Große und Gute. Er bestieg einen Thron, den sein Vater gefestet hatte in langjährigen Kämpfen, der sicher ruhte auf dem festen Grunde der Liebe eines treuen Volkes, kein Feind bedrohte fein Land, Friede umhegte feine Grenzen, Friede waltete im Innern, hoffnungsvoll begrüßte das Volk den Sohn des edlen Königs David, der bis auf den heutigen Tag in Israel als das Ideal eines Fürsten gilt, also daß der Messias ein Sproß vom Stamme David, ein Erbe seines Geistes genannt wird. Und wie trefflich geeignet erschien er, diese Vorzüge zu nutzen im Dienste feines Volkes. Als der Herr ihm im Traum erschien und den Glücklichen fragte, was er begehre, da war die Antwort: ״gieb Deinem Knechte ein kundig Herz, Dein Volk zu richten, zu scheiden zwischen den: Guten und Bösen." Die Weisen beleuchten diese Antwort mit einem gar lieblichen Gleichniß: Ein König, sagen sie, hatte einen Freund, der ihm vor Andern lieb war, und rief ihn in sein Haus und zeigte ihm alle Schätze und Kleinodien, daß das Auge fast geblendet wurde von dem Glanz und dem Golde. Den König aber begleitete bei dieser Umschau seine einzige Tochter,‘ die Erbin all dieses Reichthums. Und der König hingerissen von seiner Neigung, sagte zum Freunde: Wähle Dir das schönste Kleinod aus diesem Hause, ich gebe es Dir gern hin als Denkmal der Liebe. Da erwog der Andere: Hier ist Alles schön und begehrenswerth; was dieser Palast birgt, wer möchte es nicht sein eigen nennen? Wohlan denn, ich will um des Königs Tochter bitten; mit ihr empfange ich diese ganze blendende Herrlichkeit; — so bat Salomo um die Weisheit, die hehre Himmelstochter, und da sie ihm gewährt ward, hatte er Reichthum und Ehre und Macht, unb was Gott an Gütern den: Sterblichen verleihen konnte, das besaß der kluge König. — Wurde er darum glücklich? Das Buch Koheleth gibt darauf eine Antwort, wie sie grauenvoller noch nicht ausgesprochen worden ist. Wir schauen in einen Abgrund von unendlicher Tiefe, da wirft der alte Salomo seine Weisheit, fein Glück, seine Liebe hinein, aber die unersättliche Tiefe verschlingt Alles, und die Oede bleibt und die markerschütternde Klage des wankenden greisen Königs: Eitel ist Alles, eitel über die Maßen! Entsetzt sehen wir diesen Untergang des Glückes; aber unser besseres Gefühl warnt uns davor, das Urtheil des Fürsten für allgemein gültig zu halten. Wir sagen: Die Aufschrift: ״Alles ist

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