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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-11-01 · 2 (11.1874) · p. Seite 56

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
2 (11.1874)
Date
1874-11-01
Page
Seite 56 (sequence 26)
Language
German
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56 aus der Schrift von seinem Hinscheiden verlesen wird, da sind sie lustig und guterDinge und feiern8imeüatü1K0ra die״Freude derLehre"; ein wunderliches Volk, wenn man sich darüber wundern will, daß Israel Ernst macht mit der Lehre von der Unsterblichkeit, von der Hoheit des Menschen. MN ולא ידע איש את קברת ז עד היום ״Keiner weiß, daß Moseh begraben ist, bis auf den heutigen Tag", jeder sieht diesen Riesengeist fortleben in einem regen, hochstrebenden Volke, da freuen wir uns, daß er lebt, da nehmen wir aus seinem Dasein die erhabene Lehre, daß auch die Todten leben. Moses ganzer Lebenslauf, welch ein Gegensatz zu dem des Salomo! An seiner Wiege schon stand die Gefahr, seine Jugend mar allen Verlockungen des Heidenthums preisgegeben; als er zum ersten Mal, ein wilder aufbrausender Jüngling, zu seinem Volke trat und sich desselben annahm, lohnte ihn schnöder Undank, und er mußte flüchten, weil der Verrath auf ihn lauerte in den Reihen der Brüder. Aber der Herr erschien ihm aus dem Dornbusch, — aus einem dornenvollen Dasein heraus erkannte er die göttliche Waltung und weihte sich seinem Volke. Aus eine Jugend voll Gefahr folgte ein Mannesalter, ein Greisenthum voll Enttäuschung; sein Volk in stetem Schwanken zwischen Abfall und Reue, zwischen dem Gotte des Sinai und den Götzen Aegyptens, zudem sah er in seinen Söhnen nicht die Erben seines Geistes, seines hohen Amtes in Israel — da hatte er noch ein letztes Hoffen, daß er sein Volk in's Land der Verheißung bringen, daß er dort die weisen Gesetze in's Leben führen werde. Nicht Neugier und Lust am Wechsel erzeugten das heiße Verlangen in ihm, hinüberzuziehen in das Land der Väter, sondern der berechtigte Wunsch, zu sehen, wie sein Volk sich zurecht finde in der neuen Aufgabe, wie es das Ideal der Thora verwirkliche; auch dieser letzte Wunsch ward ihm versagt; nach einem langen Leben voll Gefahr und Entsagung stand er in seiner Todesstunde — nach dem Ermessen niedrer Seelen — gerade an der Schwelle seines irdischen Glückes. Hätte Moseh nur in der Gegenwart, nur für sich gelebt, er hätte wohl Recht gehabt zu dem Ausrufe: Eitel ist Alles, eitel über die Maßen; aber er dachte anders von der Hoheit des Menschen und seiner Würde. Unsere Weisen sagen: Als der Todesengel zu Moseh herantrat, sprach er Gebete, um ihn zu scheuchen; ״ich kann nicht sterben, so rief er, sondern ich muß leben und künden die Werke des Herrn."׳ Da sagte der Engel: ״Dazu bedarf es Deiner nicht, heißt es doch: die Himmel künden die Ehre Gottes, und kann Dein Geist Höheres zum Preise des Schöpfers ersinnen, denn diese unendlichen Welten?" Aber Moseh sagte:

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