Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 2 (11.1874)
- Date
- 1874-11-01
- Page
- Seite 53 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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m schuft unbedingter Dauer in sich tragen, und alle die widerstrebenden Stimmungen mögen wohl hin und wieder noch einmal zur Macht gelangen; aber sie werden nicht mehr so verheerend auftreten, da wir sie einmal besiegt haben. So wird uns freilich der Abschied schwer wie vom Vaterhause; jemehr wir gekostet haben, desto lieber möchten wir bleiben; dem Sohne, der Schmerz wird ihm gelindert und die Freude gemehrt, wenn er sie mit den Eltern theilt, uns allen erging es nicht anders im Gotteshause, wo die Ahnungen einer höheren Welt wie Engelschaaren durch unser Inneres zogen, wie lieb und wie leid ist uns da das Abschiedsfest, lieb als der krönende Schluß einer freudenreichen Zeit, leid als die harte Mahnung zur Trennung. Es ist ohne besonderes Symbol und Zeichen; gestern haben wir das Festgewinde aus der Hand gelegt, haben wir die Hütten verlassen; kein neues Sinnbild ist an die Stelle getreten, und die Alten legen Gewicht darauf, daß der achte Tag ein ״besonderes Fest" sei; und dort der Reichthum, hier der Mangel an Symbolen hat seinen trefflichen Grund. Jedes Sinnbild, und sei es noch so vieldeutig, kann nur einzelne Seiten unseres Empfindens bildlich darstellen. Die mannigfachen Blumen z. B. sind Zeichen verschiedener Tugenden, die eine das der Treue, die andere das der Bescheidenheit u. s. w., keine kann Zeichen der Tugend überhaupt sein; will nun die Religion, daß an bestimmten Tagen irgend ein Gedanke oder eine Reihe von Gedanken in uns erweckt werde, so wählt sie die hierfür passenden Symbole; was aber thun an einem Abschiedstage, wo die mannigfachen Gedanken und Empfindungen zusammenfließen, giebt es ein Symbol umfassend genug für die Religion überhaupt? Das ist unmöglich, das widerspräche dem Begriffe desselben, es kann nur einen Gedanken konkret darstellen, gleichsam mit einem Körper ihn bekleiden; darum muß das Schlußfest des Sinnbilds entbehren. Aber durch die Schriftabschnitte, die an diesen Tagen verlesen werden, gewährt es uns einen weiten Ausblick in die Welt und das Leben, denn zwei der größten Männer, welche das Judenthum hervorgebracht hat, zwei, deren Namen sprüchwörtlich geworden sind für Propheten-Kraft und Weisheit, M o s e h und Salomo, treten uns da entgegen und zwar in dem Lebensalter, wo die Menschen am lehrreichsten sind, sei es daß wir von ihren Worten oder von ihren Schicksalen lernen wollen, nämlich als G r e i s e. I. Saloino — keinen Sterblichen hat das Schicksal von Jugend an so begünstigt, als ihn. Der Lieblingssohn eines Mannes, der den