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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-11-01 · 2 (11.1874) · p. Seite 52

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
2 (11.1874)
Date
1874-11-01
Page
Seite 52 (sequence 22)
Language
German
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52 diese Feste seien spurlos an ihm vorübergegangen. Wie viele sind zum Feste in's Elternhaus eingekehrt und werden nunmehr von dannen ziehen, sie werden ihre Lieben nicht mehr bei sich sehen und wieder allein stehen in dem Kampfe des Lebens; für das Auge sind sie allein, getrennt von den Ihren; aber war es wirklich ohne Frommen, daß der Bund der Seelen wieder erneut worden ist? Wird der Sohn nicht um so viel ernster und eifriger schaffen, wenn er sieht, wie freudig das Auge der Mutter leuchtet, wie inniges Glück das Gesicht des Vaters verklärt, sobald ihr Kind rüstig fortschreitet? Oft verliert der fern weilende Jüngling die Ziele seines Strebens; aber er kehrt zur Heimath und sieht die in allem Jubel des Wiedersehens dennoch vom Kummer beschatteten Mienen der Seinen. Keiner sagt es ihm, sie wollen dem Liebling die Festesfreude im Vaterhaus nicht stören, ihm die Heimath nicht verleiden; er aber fühlt dennoch den Kummer und die Sorge, die er bereitet, und wenn er Abschied nimmt und in das bange, gefaltete Antlitz schaut, und die Mutter sagt ihm, er möge brav bleiben und sie lieb behalten und seine Pflicht thun, sollte das sich nicht einprägen dem leichten, aber kindlich treuen Sinne des Jünglings? Wie aber jedes Wiedersehen unter denen, die zu einander gehören, die Liebe weckt und steigert, so auch das Wiedersehen mit der Gottheit zur festlichen Zeit, und der Abschied ist dann nicht der kalte, sondern der kühlende Thau, der unser heißes Herz erfrischt. Eine Stunde, die wir, ganz in Gott versenkt, verlebt haben, sie ist für das ganze Leben unverloren. Jeder kann es bei ernster Prüfung an sich wahrnehmen: wer in diese heilige Zeit eintrat, Zorn und Groll im Gemüthe, daß sein Herzblut aufgesogen wurde von diesen wilden Schlingpflanzen, daß seine Kraft verlohte in diesem verzehrenden Brande, und redlich gerungen hat in diesen geweihten Stunden, der darf heute beim Abschiedstage von sich sagen: ich habe diese Unholde aus meiner Seele getrieben und bin selbst mit denen geeinigt, die mir wehgethan; wer mit überströmender Lust, mit zügelloser Fröhlichkeit das Dasein genoß und der Arbeit vergaß, dem haben diese Tage die Lust gedämpft und den Frohsinn gebändigt. Was aber sind sie für ein herrliches Gottesgeschenk denen, die von Schmerz und Trauer heimgesucht sind: da sah es wild und wirr aus in ihrer Seele; es herrschte Fehde mit Gott und der Welt, und die Menschen gefielen sich darin, sich selbst zu zerfleischen und ihre Kräfte aufzureiben im thörichten Toben wider unabänderlichen Schicksalsspruch; da kam das Fest und machte der Thorheit ein Ende und ordnete das Gefüge der Seele und stiftete Frieden und Tröstung. Wohl mag diese Wandlung nicht die Bürg-

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