Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-11-01 · 2 (11.1874) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
2 (11.1874)
Date
1874-11-01
Page
Seite 51 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616701-9619452-9619490--0060-9619511
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IV. Moseh und Salomo. Uredigt am Schmini Azereth 5635, von Rabbiner V1-. R i p p n e r in Glogau. M. A! Wie ein Vater, wenn er seine Söhne für einen bestimmten Zeitraum sich zu Gaste ladet, am Schluß dieser Tage wohl das Verlangen äußert: bleibet noch eine Weil bei mir, nehmet nicht so jäh Abschied; diese aber fügen sich willig und freudig dem väterlichen Wunsche, denn auch ihnen wird die Trennung schwer, — so spricht der Herr, nachdeni so viele Feste an uns vorübergezogen sind, Tage der Buße, der Versöhnung und der Freude, und jetzt der Moment da ist, wo wir in die schlichte Zeit der Arbeit treten: verweilet noch ein wenig, aus daß die festliche Zeit sicherer nachwirke, und ihr Licht klarer und reiner werfe in den rauhen Winter, aus daß die s e st lose Zeit keine f r e u d e n lose werde. Mit diesem Gleichniß erläutern die Alten den Namen des heutigen Festes ״Azereth“; עצרת heißt Verweilen, Festhalten; die heiligen Gedanken, die uns in diesen Wochen beschäftigt haben, sie wollen uns nicht loslassen, wir aber lassen uns gern laden zu der Abschiedsseier und ihrer freudig-wehmüthigen Bewegung und sagen: wir möchten nicht von Dir gehen, es' sei denn, daß Du mit Deinem Segen uns geleitest. Wie das Abendroth zur Herbsteszeit durch die röthlichen Wipfel fließt und wir der enteilenden Sonne nachschauen, dankbar für jeden Strahl und klagend, daß er so rasch, so bald uns entflieht, so mischt sich die Weihe und das Weh heute in unserem Gemüthe; ist doch dieses Fest gewissermaßen das Abendroth der Festessonne, welche in diesen Wochen über uns aufgegangen war und die jetzt im Niedergang unseren Lebens- und Gedankenkreis mit sanftem farbigen Lichte säumt und mit ihrem zarten rosigen Hauche unser Herz verklärt. Keiner von uns sei so hart gegen sich, um zu behaupten, alle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.