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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-11-01 · 2 (11.1874) · p. Seite 50

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
2 (11.1874)
Date
1874-11-01
Page
Seite 50 (sequence 20)
Language
German
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50 der Thüre, schon vor der Thüre dieses Hauses lagert die Sünde, und nach Dir ist ihr Verlangen, doch Du kannst ihrer Herr werden." Ja Du kannst ihrer Herr werden, deß bist Du Dir heute bewußt geworden; nicht austilgen, sondern beherrschen könnet und sollet ihr die Sünde durch den Trieb zum Guten, der in Euch lebt, darum wahret den Frieden Eurer Seele auch, wenn das Leben Euch zum Kampfe herausfordert, dann werdet Ihr wiederkommen so, wie Ihr heute von dannen geht. Aber, m. A., wann wollen wir denn wiederkommen? Soll wieder ein ganzes Jahr darüber hinweggehen bis wir Gott aufsnchen, soll Gott etwa jetzt, da der Tag sich neigt, sagen: אלך אשובה אל מקומי ׳עד אשר יאשמו ובקשו פני ׳בצר להם ״ ישחתכני:ich gehe zurück an meinen Ort, bis sie wieder schuldbeladen mich aufsuchen, wenn ihnen bange wird, werden sie mich schon anflehen" (Hos. 5,15.); wollen wir wieder Sünde auf Sünde häufen, bis die Schuldenlast uns zu Boden drückt, bis wir in den Schlamm der Leidenschaft und Begierde versinken? ״ שבו אתיוKommet doch oft, kommet recht bald wieder," so ruft der scheidende Versöhnungstag Jenen zu, die gleich dem Hohenpriester nur ein einziges Mal im Jahr, nur am Versöhnungstage, im Tempel — als wäre dieser ihr Allerheiligstes — erscheinen. Kommet bald wieder, Ihr Geisteshelden, die Ihr Euch selbst zu genügen wähnet, es ist keine Schande, es ist keine Schwäche, ein fühlender Mensch zu sein und zu seinem Gott öfter denn ein Mal im Jahre zu beten. Kommet doch bald wieder; von einem Jom Kippur zum andern ist eine lange, lange Zeit, und wenn Du nach Jahresfrist erst wiederkommst, weil Du Deiner Ehre nichts vergeben wolltest, wie leicht könnte dann Gott auch Dein nicht gedenken, wie leicht könnte auch er Deiner Ehrsucht, Deinem Stolze nicht vergeben wollen. M. A., verlassen wir diese geheiligten Räume nicht ohne den festen Vorsatz, das heute erlangte Gut mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu vertheidigen, mögen wir uns, bevor die Pforte der Versöhnmig sich schließt, in dem Entschluß bestärken, Gott vor Augen zu haben alle Tage, alle Stunden unseres Lebens, möge uns in dieser Stunde der Wunsch beseelen und erfüllen, Tag für Tag bei Gott zu weilen, nicht blos im G e b e t, sondern auch bei unserer Arbeit, nicht blos im Gotteshause, sondern ein Jeder in seinem Wirkungskreise, dann, m. A., werden wir nicht blos im Frieden von dannen gehen, dann werden wir auch im Frieden wieder kommen, dann wird Gott selbst seine segnende Hand über uns halten und uns beim Scheiden zurufen: שבו אתיו ״Gehet heim, und kommet nächstes Jahr Alle, kommet vollzähl i g wieder!" Amen.

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