Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 2 (11.1874)
- Date
- 1874-11-01
- Page
- Seite 46 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9619452-9619490--0055-9619506- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
46 Himmelsgarten der Versöhnung auch die Bevorzugten nicht eintreten? Nein, m. A., der Engel der Reue hält gar strenge Wacht, mit Donnergewalt ruft er der dicht gedrängten Schaar, die der Versöhnung harrt, aus alten besseren Tagen herübertönende Worte zu: ״ מי האיש אשר כנה כית חדש ולא חנכו ילך וישוב לביתוWer ist, der ein neues Haus gebaut und hat es nicht eingeweiht, er trete zurück und kehre um in sein Haus." Wer das alte jüdische Haus, das seine Ahnen wohnlich eingerichtet, ihm hinterlassen, aus Eigen- oder Leichtsinn niedergerissen und an dessen Stelle ein neues geräumiges sich erbaut hat, in welchem keine religiösen Sitten, keine religiösen Bräuche ihn beengen unb einschränken, der hat sein Haus nicht eingeweiht, denn die Religion, die allein dem Hause die echte, die rechte Weihe verleiht, die hat er aus seiner Wohnstätte verbannt, und wenn er nun heute an! Vorabend des großen und heiligen Tages, gedrängt von einer Macht, deren er sich nicht erwehren kann, die geschnlähte Religion aussucht und vor der Pforte der Versöhnung Einlaß begehrt, so weist ihn diese Religion in sein Haus zurück, daß er ihr vorerst dort eine Stätte gründe, dann mag er wiederkommen und Versöhnung erlangen, denn die Weisung lautet also: ״kehret um, dann kommet wieder." — Beschämt, aber mit dem festen Vorsatz, das Versäumte nachzubolen, treten sie zurück, die von diesen harten Worten sich getroffen fühlen, und hervor drängen sich jene, die darauf pochen zu können wähnen, daß sie noch ein altes jüdisches Haus besitzen, da ertönt von neuem die Stimme und rufet laut: ומי האיש ״ נטע כרם ולא חללו ילך וישוב לביתוUnd wer ist, der einen Weinberg gepflanzt, und hat ihn nicht gelöst, er trete zurück, und kehre um in sein Haus." Wer außerhalb seines jüdischen Hauses neue Pflanzungen angelegt, wer sich eine Pflanzstätte gegründet hat, um Schößlinge groß zu ziehen, die in dem religiösen Boden eines israelitischen Hauses nie und nimmer gedeihen, wer da Gut und Geld aus unredliche Weise angehäust, der hat sein Vermögen nicht eingelöst, der birgt fremdes Gut tit seinem Hause, der hat sein Haus nicht nur nicht eingeweiht, der hat sein Haus entweiht, und wenn er nun heute Versöhnung begehrt, so wird ihm die Weisung, zurückzutreten und vorerst sein Haus zu sühnen, dann mag er wiederkommen und Versöhnung erlangen, denn auch ihm gelten die Worte: ״ שובו אתיוkehret um, dann kommet wieder." — Enttäuscht weichen sie zurück, die den Weinberg des Herrn so treu gehütet zu haben wähnten, denn nunmehr wissen sie es, daß sie ihren eigenen Weinberg von Steinen zu reinigen haben, bevor sie ihn mit edlen Reben bepflanzen können. Und vor die Pforte der Versöhnung treten jetzt