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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-11-01 · 2 (11.1874) · p. Seite 44

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
2 (11.1874)
Date
1874-11-01
Page
Seite 44 (sequence 14)
Language
German
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44 der Mensch nicht von Brod allein lebe" und daß die auf Gott gerichtete Seele nicht immer begehren müsse, wie wollen wir uns da erklären die Worte: ״Wollet Ihr Erhörung, so begehret!" Und dennoch, m. A., haben diese scheinbar so dunklen Worte gerade heute eine besonders hohe Bedeutung, denn sie wollen uns nicht blos aufmuntern und trösten, sondern auch zugleich über das Wesen der jüdischen Versöhnung belehren, sie wollen uns sagen, daß die Sündentilgung wie das Judenthum sie auffaßt, nichts Geheimnißvolles, nichts Unbegreisbares enthält, sie wollen uns zeigen, daß die jüdische Versöhnung auf ganz natürliche Weise vor sich geht. ,הקב״ה במד ״ שהוא מכה׳הזא מרפאGott schlägt und heilt wieder mit einem nnd demselben Werkzeug," und so sollen auch wir es machen bei den Wunden, die wir uns selbst geschlagen, so sollen auch wir unsere Fehler und Sünden zu tilgen suchen durch dieselbe Kraft, welche zu sündigen uns verleitet hat. Die Sünde, die in unserem Begehren ihre Wurzel hat, sie soll wieder durch unser Begehren entwurzelt werden. Du hast Dich in dem Augenblicke, da die Versuchung über Dich kam, Hinreißen lassen, etwas zu begehen, das Deine Menschenehre geschädigt, Du hast gethan, was Deine Begierde zu thun Dich geheißen, so mußt Du denn auch jetzt, in dieser Stunde, da Du es erkannt, daß die Sünde der tödtlichste Feind Deiner Seele ist, Dich Hinreißen lassen von dem göttlichen Geiste, der Dich umweht, so mußt Du auch jetzt begehren, die Sünde ungeschehen zu machen, so muß die Tilgung Deiner Schuld Dir dieselbe Lust gewähren, wie Du sie zu finden wähntest, da Du vor Deinem Gotte gesündigt hast- Und dieses Verlangen, wieder rein vor Dir selbst dazustehen, dieses Begehren, von Gott in Gnaden ausgenommen zu werden, es schlumwert wohl in Deinem Herzen, es regt sich leise, es erwacht wohl in Deiner Brust, doch dies allein gelingt noch lange nicht. Was in Deiner Brust verschlossen bleibt, was sich nicht auf Deine Lippen drängt, das verräth kein reges Gefühl, das ist kein reines Begehren. Willst Du heute einziehen in das Gebiet jenes wahrhaft beseligenden Himmelfriedens, nach dem unsere Seele so sehnsuchtsvoll verlangt, willst Du sie betreten die Pforte der Versöhnung, die Dich in das Land der Verheißung geleitet, so wisse denn, daß vor dieser Pforte ein Cherubimpaar die Wacht hält, auf daß kein Unbefugter, aus daß kein Unberufener Einlaß erlange in den gottgesegneten Himmelsgarten echten ungetrübten Herzensfriedens. Und der Eine dieses Engelpaares, jener Engel, der über das Gebet gesetzt ist, er ist es, welcher uns die Worte zürnst: ״Wollet Ihr Erhörung finden, so begehret sie", willst Du Versöhnung erlangen, so bete doch zu Dei-

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