Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 2 (11.1874)
- Date
- 1874-11-01
- Page
- Seite 43 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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LS über uns selbst, an ihm vergnügt sich unsere Seele, indem sie, m Gottes Nähe verweilend, Alles abstreift, was ihre göttliche Reinheit trüben könnte. Und dennoch sind wir gehoben und gebeugt zugleich; wir sind gehoben von der Weihe, von der Heiligkeit himmlischer Versöhnung, die unser harret, aber wir sind auch gebeugt von der Wucht unserer Schuldenlast. Hochgestimmt durch die Einwirkung der vorangegangenen Tage, nwllen wir uns heute zu Gott erheben, dessen Vaterstimme uns immer wieder und wieder zurückruft, so oft wir auf die abschüssige Bahn der Sünde gerathen, so oft wir den Weg verlassen haben, der allein zu ihn!, den: Weltenrichter, führt, zuversichts- und vertranetlsooll wollen wir Versöhnung erflehen für unsere Seele, daß sie Frieden erlange, und — dennoch zittern und beben wir, da es gilt das Gnadengeschenk aus der Vaterhand unseres Gottes zu empfangen. Und wisset -Ihr, m.. A., woher diese entgegengesetzten Gefühle von Hoffnung und Furcht rühren? Weil in Eurer Seele die Ahnung sich regt, daß die Geschenke göttlicher Huld und Liebe nicht nach Willkühr und Zufälligkeiten vertheilt werden, weil ein Gefühl in Eurer Brust es Euch sagt, daß der Himmelsfriede nur für den vorhanden ist, der ihn verdient, der sich seiner würdig zeigt. Ja, m. A., die Versöhnung fordert Leistungen von Mts, denn die Erhörung, um die wir heute zu Gott flehen, beruht auf Voraussetzungen, die wir, weil sie uns berühren, nicht umgehen können, und dieser Leistungen kann und darf sich keiner entschlagen, der den Tag des Herrn nach dem Gebote seines heiligen Willens begehen will- Darum, m. A., wollen auch wir diese Voraussetzungen heute zu erforschen suchen, indem wir ausgehen von den Worten des Propheten Jesaias, die da lauten: ״ אם תבעיון בעיו שובו אתיוWollet Ihr Erhörung, so begehret, kehret um und kommet wieder!" I. *״ אם תבעיון בעיוWollet Ihr Erhörung, so begehret!" M. A. So beschwichtigend und einladend, so wohlwollend auch die Worte sein mögen, mit welchen der Versöhnungstag uns begrüßt, so sonderbar, so fremdartig muß es uns erscheinen, wenn dieser geweihte Sendbote der Religion uns als Bedingung zuruft, daß wir nur begehren mögen, um Erhörung zu finden. Sollte man nicht vielmehr den Ruf erwarten: Wollet Ihr Erhörung, so begehret nicht? Haben wir doch m. A. draußen vor der Pforte dieses Gotteshauses jedes Verlangen, jedwedes Begehren abgelegt, hoffen wir doch Erhörung und Versöhnung nur dadurch zu finden und zu erlangen, daß wir uns kasteien, um unsere Begierde zu schwächen, hat doch der Jom Kippur zumeist den Zweck, uns die Ueberzeugung beizubringen, ״daß