Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 2 (11.1874)
- Date
- 1874-11-01
- Page
- Seite 39 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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89 der Andacht, zur Stimmung des Gemüthes in den andern Confesfronen, zumal in der katholischen, ins Werk gesetzt wird, wissen wir. Es sind zirmeist Mittel, die direct aus Sinn und Herz einstürmen, um sie gefangen zu nehmen: sirrnbestrickende Töne, Weihrauchdüste u. a. m. Ob dies auch für das jüdische Genrüth verfängt? Sicherlich nicht. Aber die Gegewart ist oft nahe daran, diesen Weg zu beschreiten. Da ist es denn die Ausgabe der Predigt der Gegenwart, reagirend eine Ausgleichung zu bewirken; sie wenigstens hüte sich vor diesem psychologischen Mißgriff, sie achte darauf, dem jüdischen Gemüthe in der rechten, ihm naturgemäßen Weise beizukommen. Ihr schwebe das schöne Dichterwort vor, das wie angepaßt ist für den Geist und die Religiorr unseres Volkes: ״Keine wilde, schwärmende Sinnesüberineisterung, Eine milde, wärmende, währende Begeisterung." — Dient der jüdischen Predigt der bisher erörterte Plmkt als Leitstern, danll wird sie wie wir meinen, auch in allell andern Fragen und Ausgaben, die dllrch die Gegenwart eine andere Gestalt erhalten habell, des rechten Weges nicht verfehlen. Nehnlen wir beispielsweise die Seite der Predigt, die man etwa das ״Vorpredigen" nenneil kölmte, die Strafreden, Ermahnungen und Zurechtweisungen (״ — •(תוכחהEs sollte lnich wundern, lvenn es iil diesem Zeitalter lloch Einen gäbe, der ruhig eine Zurecht- Weisung anhörte.H" So ruft ein alter Lehrer aus. Unser Zeitalter ist auch darin ein anderes, es hört die Zurechtweisungen und Strafreden nicht ungern an, es nimmt sie ruhig aus, aber es nimmt sie lucht a n. Mall läßt, sagtell wir schon ül unserem ersten Artikel, gerade jetzt alle auch nicht nlodernisirten Capucinaden mit einem besonderen Behagen über sich ergehen. — Wir werden nun uns hüten müssen, diesem der Würde der Religion gefährlichen Gelüste Rechnung zu tragen, oder ihm gar zu schmeicheln. Die israelitische Predigt wird lernen müssen — und damit wird sie echt israelitisch sein — ihre Ermahnullgen nicht einzustellell, sondern Weise einzuschränken. Die Predigt tritt imlner, wie wir schon oben andeuteten, mit einer Tendenz aus, sie verfolgt praktische Zwecke. Ist es nun praktisch, in religiösem Sinne, an Dinge und Bräuche geharnischte Strafreden zu knüpfeil, die in der Gegenwart nun einmal, und mag es noch so sehr zu bedauern sein, gleichsam undiscutirbar geworden sind, mit denen man sich, wie man zu sagen pflegt, lächerlich machen würde, תמה אני אם יש בדור הזה מיי שמקבל תוכחה׳ אם אומר ר (16 Eracinn) לו - - - הוא אומר