Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 2 (11.1874)
- Date
- 1874-11-01
- Page
- Seite 38 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616701-9619452-9619490--0047-9619498- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3» genrufen: Was da! Gemüth ist Gemüth, Herz ist Herz. Nein! Wir behaupten — und wir könnten jeden Psychologen und Ethnologen, wenn er unser Volk gründlich kennt, uns zu Hülse rusen — daß auch das jüdische Gemüth von einer eigenen Art ist. — Gemeiniglich spricht man (und im Durchschnit trifft es bei den meisten Menschen zu) von dem Herzen, oder von! Gemttthe als von einen! für sich bestehenden Reiche, das sich um den Verstand und mit das sich der Verstand wenig bekümmert. Getrennt von diesen! durch eine dichte Scheidewand, kann es von ihn! in seinen! Treiben nicht belauscht, nicht beobachtet werden. Sie sind außer aller inner!! Verbindung- Spricht das Herz, so kann der Verstand doch schweigen; und wenn es auch über alle Stränge schlüge, sein Wandnachbar braucht es nicht zu!nerken, und wenn er es auch!nerkte, er hätte doch keinen oder nur winzigen Einfluß auf dasselbe. Nicht so das jüdische Gemüth. Es steht mit seinen! Oberhaupt, dem Verstände, in innigen! Eonnex, in innnerwährender Correspondenz. Er ist's erstens, der den Eingang zu den! Gemüthe streng bewacht, so daß man gut thnt, wenn man zu diesem Zutritt erlangen will, erst bei dem Thürlsi'tter ״Verstand" anzuklopfen, und hat man bei ihn! Eingang gefunden, dann wird der Verstand des Herzens Regulator und Controlenr. Das jüdische Gemüth rennt nicht kopflos über Stock und Stein. Oder mit andern Worten: das jüdische Herz läßt sich weniger direct, als indirect erobern, der Vermittler i)t eben der Geist, der Verstand und vor Allem nicht durch Mittel, die auf die Sinne lospochen, sondern durch solche, die auf den Geist und den Verstand einwirken׳ Auf das religiöse Gebiet übertragen, sagen wir: das jüdische Herz wird mehr durch ein sinniges und treffendes Wort als durch brausenden Orgelton getroffen und religiös ergriffen. Aber auch dann ist es nicht einer sinn- und zügellosen Begeisterung fähig, es ist eben dazu nicht angelegt. Haben wir aber darum kein Mittel, es zu entflammen? Besitzt die Ueberzeugung, das Turchdrungensein von einer Wahrheit nicht auch Feuer? Wir werden begeistern, wenn wir mit Ueberzeugung belehren. Den! jüdischen Herzen gibt L icht nur Wärme, was ihn! ein leuchtet, ist ihn! auch ein dringlich und erwärmend. —Was aber damit die Gegenwart zu schaffen habe? Nun die Gegenwart hat bekanntern!aßen das an sich lobens- und rühmenswerthe Bestreben, unsere Andacht zu läutern, zu erhöhen und zu verinnerlichen. Ob aber die Mittel, die dazu ergriffen werden, nicht oft eine Verkennung des jüdischen Herzens und Gemüthes verrathen, das möchten wir nach der obigen Darstellung den! Prüsenden zur Erwägung anheimgeben. Welcher Apparat zur Erhöhung