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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-11-01 · 2 (11.1874) · p. Seite 37

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
2 (11.1874)
Date
1874-11-01
Page
Seite 37 (sequence 7)
Language
German
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37 der modernen Zeit einzubüßen. Man konnte und kann noch jetzt die Reaction von Seiten des Publikums merken, die sich ausdrückt in der Vorliebe für das Altmodische, und wenn es auch an das Lächerliche streift, für das Bizarre und Barroke, für das Hochpikante. Das große Publikurn lief und läuft jetzt noch oft zu solchen Predigten, bei denen das moderne Gewand, wenn ein solches überhaupt existirte, fadenscheinig geworden, so daß der jüdische Prediger, der Maggid, hervorguckt. Diese Passion, sollte sie allgemeiner.werden, wäre in der That keine minder bedenkliche und verdammungswürdige Abirrung, als die oben geschilderte. Wir haben diese in allen Confesfronen zuweilen hervortretende Geschmacksverirrung in unserem ״Vortrag" (Heft 1.) gekenntzeichnet und in ihrer Gefährlichkeit geschildert. Wir halten es ebensowenig mit den jüdischen/ wie mit den christlichen Abraham a Santa Clara's. Aber ein Extrem ruft das andere hervor, und wenn nran Fades und Schales genossen, greift man nach stark Beizenden! und Piquantem. — Unser Volk ist nun einmal an stärkere, gesundere KO gewöhnt. Es merkt auch schnell heraus, was ächter Wein und wa^ verwässerter ist, und mag dieser noch so wohlschmeckend sein. — Es wendet, seinem innersten Wesen nach, sein wahres Interesse der Predigt zu, die ihm Etwas gibt, das er wiedergeben kann, die, indem sie belehrt, auch etwas erklärt, die, indem sie erbaut, auch, wenn wir so sagen dürfen, einen Gedankengang a u f baut. Bloße Exclamationen, das rein Salbungsvolle, hinunelnde Gefühlsseligkeit werden nie nachhaltige Wirkung auf das jüdische Gemüth ausüben. — Das jüdische Gemüth! Das Wort ist entschlüpft, und man wird uns mit Recht daran festhalten. Wo bleibt denn in dieser Auseinanderjetzung das so gerühmte und berühmte jüdische Herz und Gemüth? Soll dies von der Predigt ignorirt werden? Soll nur der Verstand angesprochen werden? Soll die Predigt nur Raisonnement oder gar dogmatische Erörterungen, exegetische Studien aus die Kanzel bringen? Nein und abermals nein! Es gibt fast nichts, wogegen wir uns, als Prediger, energischer verwahren als gegen eine solche Zmnuthung. Ja, die Predigt muß und soll aus das Gemüth wirken — aber in der rechten Weise und mit den rechten Mitteln, und zwar wiederum israelitisch, d. h. in der dem jüdischen Gemüthe genräßen Art. Für unsere Betrachtung ist dies ein Hauptpunkt, denn in Beziehung auf diesen Punkt legt gerade die Gegenwart der israelitischen Predigt eine bedeutsame Pflicht auf. Denn uns will bedünken, daß die Gegenwart im Begriffe ist, einen argen psychologischen Mißgriff in der Behandlung des jüdischen Gemüthes zu machen. — Man könnte uns da entge-

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