Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 1 (10.1874)
- Date
- 1874-10-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Diese Lehre von dem Gerichte Gottes, von der sittlichen Weltordnung, lasset uns heute, wo unser Gemüth durch die weltgeschichtlichen Ereignisse ganz besonders hierfür empfänglich gemacht ist, im Geist erfassen und im Herzen befeftigeu! — I. ״ הנה יום הדיןD a ist der Tag des Gerichts!" — so ruft die Stimme der Religion am heutigen Tage, so ruft der uns vor Gericht ladende Ton des Schofar, so lesen wir es wiederholt in den erhabenen und tiefergreifenden Gebeten des heutigen Festtages. ״Erhaben zeigt sich der Herr Zebaoth im Gerichte, der he ilige Gott wird geheiligt durch Gerechtigkeit." ״Es ist wahr, daß Du der Richter und Ueberführer, der Allwissende und Zeuge bist!" ״Satzung ist's für Israel: das Gerichthalten des Gottes Jacob's." Der Glaube an das Nichteramt Gottes ist so alt wie das Judenthum, so alt wie die Worte in dem Gebete unseres ersten Stammvaters Abraham für das sündige Sodom: השופט כל הארץ לא ״ יעשה משפטSollte der Richter der ganzen Erde keine Gerechtigkeit üben?" Ja älter noch, so alt wie die Frage: ״ איכהWo bist Du?", die der Herr an den ersten Mens ch en nach dem Sündenfalle gerichtet, und die das Bewußtsein der Sündenscham und Tugendbloße in ihm weckte. Knüpfen doch unsere Weisen hieran den tiefsinnigen Ausspruch: זה סימן לבניך. כשם שעמדת לפני בדין - ׳ ויצ5י5ח בדימום, כך בניך יעמדו לפני בדין * י ויוצאין בדימום ״Du bist Zeichen und Vorbild für alle Deine Nachkommen, wie Du, nachdent Du durch Sünde gefallen, gerichtet und nicht (wie die ursprüngliche Strafandrohung gelautet) zum Tode verurtheilt, sondern freigesprochen wurdest, so werden Deine sündigen Nachkommen, so sich am Gerichtstage stellen, gerichtet und — gerettet werden." Wie tief Du auch gesunken fein mögest, 0 Mensch, — das ist der liefere Sinn dieses herrlichen Ausspruches — so Du den Glauben an den richtenden Gott nicht hast verloren, so Du am Tage des Gerichts vor ihm bitßsertig erscheinest, wirst Du gerichtet, bist Du gerettet; Du findest in dem richtenden Gotte zugleich den versöhnungsreichen Vater, der ״im Zürnen an's Erbarmen denkt", und wie einst dem ersten Menschen so auch Dir die Strafe selbst zum Segen werden läßt. Das ist die Stimme der R e l i g i o n am heutigen Tage: ״Recht und Gerechtigkeit sind die Stützen Deines Thrones, Gnade und Treue ziehen Deinem Zornblick voran!" (Ps. 89,15.) — das ist auch die Stimme des Schofar's: ״Es erhebt sich der richteude Gott (אלהים מדההדין) beim Posaunenruf, der Allerbarmer