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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-10-01 · 1 (10.1874) · p. Seite 17

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
1 (10.1874)
Date
1874-10-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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17 Schlummerstätte des religiösen Sinnes der Menschheit und das Ohr des Höchsten und Niedrigsten ist empfänglich worden für die Lehren, die unser Rosch-Haschana-Fest uns alljährlich ertheilt, und die das Stück Weltgeschichte, das in unfern Tagen vor unser Aller Augen sich abrollte, Allen, die ihr Auge nicht verschließen und ihr Ohr nicht absichtlich verhärten, in eindringlichster Weise predigt. Denn die Lehren, die die Kriegsposaune in diesem Jahre dröhnend und markerschütternd uns zurief, sie sind dieselben, die alljährlich des Schofars Stimme in uns wachrufen foll, sie sind dieselben, die die betende Chauna in die herrlichen, unnachahmlich schönen Sangesworte gekleidet: ״Niemand ist so heilig wie der Ewige, es gibt feinen Hort außer Gott. Laßt das prahlerische Reden, fort mit dem Trotz ails Eurem Munde! Denn ein allwissender Gott ist der Ewige, von ihm werden erwogen die Handlungen. Der Bogen der Tapfern bricht, und die Schwachen gürten sich mit Kraft. Gott tödtet und belebt, läßt in die Gruft fahren und bringt wieder empor. Gott läßt arm werden und macht reich, er erniedrigt und erhöht auch,.Denn Gottes sind die Pfeiler der Erde .... nicht durch eigene Kraft obsiegt der Mann. Gott richtet die Enden der Erde, verleihet Sieg seinem Könige, und erhöht das Horn seines Gesalbten." (Samuel I. 2, 2—10.) Jst's nicht, m. A., als ob dieses Lied, das Jahrtausende alt ist, erst vor wenigen Wochen gedichtet wäre? eigens mit Bezug auf die Ereignisse unserer Tage? Fürwahr das Gotteswort, richtig verstanden und richtig angewendet, wird immer der treueste Spiegel des wirklichen Lebens sein, eben weil es das Leben der Menschheit in der Wahrheit erfaßt. Es ist die Lehre von einem heiligen, die Menschenhandlungen rid)tenben und die Menschenloose austheilenden Gotte, oder kurz die ewige Grundlehre des Judenthums von der ״sittlichen Weltreg lern n g", die den Grundton dieses Liedes bildet. Und dieselbe Lehre predigt uns der Neujahrstag sowohl durch den von der Re-- ligion ihn! beigelegten Namen ״ '21 הדייןTag des Gerichts," als auch den Schofarruf: ״ יי" שופטנוGott ist unser Richter!" Rosch-Haschana oder die Stimme der Religion, Channa's Gebet oder die Stimme des M enschenHerzens, die Kriegsposaune oder die Stimme der Geschichte, sie rufen allesammt einstimmig uns die Worte zu, die den Grundpfeiler alles sittlichen Lebens bezeichnen, die drei Worte: ״ הנה יום הדיןEs giebt einenTag des Gerichts! Israelitisches Predigt-Magazin. Oktober 1874. 2

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