Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 1 (10.1874)
- Date
- 1874-10-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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13 men haben möge, Deine sittliche Kraft ist nicht gelähmt, nicht gebrochen, Dn darfst nicht sagen: ich k a n n nicht mehr, kann nichts mehr thun! Was das verflossene Jahr Dir auch gebracht haben möge, wirst Du denn sprechen: ich habe genug, ich begehre nichts mehr? O, menn einer von euch so weise wäre, das in Beziehung auf irdische Güter zu sagen! (Wie möchte ich ihn kennen, um ihm herzlich mtb demüthig Glück zu wünschen!) Aber nimmer darf der Mensch in Hinblick auf die geistigen Güter sprechen: Ich habe nun Gutes genug gethan, Tugend und Frönunigkeit in Fülle erworben, für die geistige Wohlfahrt der Meiuigeu hinreichend gesorgt, das Wohl meiner Mitmenschen zur Genüge gefördert, es bleibt nun für meine Seele nichts zu thun übrig. — Führe uns weiter, laß uns weiter streben und gelangen, beginnendes Jahr! Auf welchem Wege? Ihr habt vernommen des Textes Wort: ״Ich bin der Ewige, Dein Gott, der Dich belehrt zum Frommen, der Dich leitet auf km Wege, den Du gehen sollst. O, daß Du hör- Lest aus meine Gebote!" Kennt ihr einen anderen, besseren, sicherem Weg? Wir alle, soweit wir den Kinderjahren entwachsen sind, haben genug gelernt, durch Wort und des Lebens Erfahrung, um zu wissen, daß es kein Heil, keinen Frieden, keine Vervollkommnung geben kann, denn in den Wegen Gottes. Auch das eine Jahr, dessen Pforte sich hinter uns geschlossen hat, muß es, wird es uns wieder gelehrt haben. Wir haben wieder gesehen (es kann nicht anders sein!), daß ״des Menschen Glück nicht in ihr er Hand liegt", (Hiob 21, 16) daß ״nicht Weisheit, nicht Einsicht, nicht Rath hilft gegen den Ewigen" (Spr. 21,30.), daß wir zu jeder Zeit in Seine Hand befehlen müssen unsern Leib und unsern Geist, unser Glück und unsere Lebensfreude, ״da kein Mensch Gewalt hat über den Geist, zu Hallen den Geist und niemand Gewalt hat über den Tag des Todes" (Ko- Hel. 8, 8), daß Gott es ist, der da bestimmt, ״wer da steige, wer falle, wer in Leiden, wer in Freuden, wer in Ruhe, wer in Wirrniß, wer in Reichthum, wer in Armuth leben soll." Wir haben wieder erkennen müssen, daß es keinen Trost gibt, denn in dem Gedanken: ״Er ist der Ewige, was in Seinen Augen gut ist, das thue er," (Sam. 3,18), ״der Herr mag geben, der Herr mag nehmen, der Name des Herrn sei gelobt." (Hiob 1, 21.) So haben wir aber auch weiter erfahren müssen, daß tausend Gefahren in zahllosen Gestalten, die Tugend, die Sittlichkeit bedrohen, und daß gegen den Einfluß der Bösen stündlich auf der Hut sein und sich gerüstet halten' muß Jung und Alt, Mann und Weib, Niedrig und Hoch, daß, ״wer in seines Herzens Verhärtung mit Leichtfertig-