Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 1 (10.1874)
- Date
- 1874-10-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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12 heim in Frieden, du hast uns an deinem Theile zur Vollendung weiter geführt! Das Jahr hat Hoffnungen zerstört, Wünsche vereitelt, Erwartungen und Entwürfe vernichtet. Ach, daß wir sagen könnten: gehet hin in Frieden; ihr wäret gut gemeint, redlich geplant; und wenn es nicht so hat sein sollen, wie wir es gewünscht und erdacht hatten, so fahre es hin in Frieden, wie Gott will! Verluste an Hab und Gut haben Manchen betroffen; ach, wenn er sagen könnte: ״gehe hin in Frieden, es haftet nicht meine innere Ruhe daran, es ist nicht unrecht Erworbenes gewesen, es ist nicht schnöde Gewonnenes ebenso zerronnen." Aber wenn das Jahr Seelenfrieden genommen und dafür gebracht und gelassen hätte Unruhe und Neue, Anklage und Vorwurf, über Gethanes, über Versäumtes — kannst Du auch da sagen: Ziehe hin in Frieden?! — Doch wer du auch seist, jung, alt, stark, schwach, Mann, Weib, noch lebst du, darunl rufe dem scheidenden Jahre nach: gehe zum Frieden! Denn siehe, das alte Jahr ist!licht todt, das neue ist die lebendige Fortsetzung. Wie jetzt die Natur hier noch Frucht zur letzten Reife bringt, die das vorige Jahr gezeitigt, dort aus dem alten Jahre Millionen Keime und Saaten enipsangen hat für das neue; so haben wir Alle gesät, was sich weiter entwickelu wird, begonnen, was sich fortsetzen wird, was wir fortsetzen müssen, wir können mit des Jahres Abschnitt nicht unsrer Thaten Entwickelung abschneiden. So laßt uns trachten, daß wir's fortsühren zur gottgefälligen Vollendung. Sprechen wir noch einnial zu bem scheidenden Jahre, wie der Stamnlvater Jakob: ״ich entlasse dich nicht, bis du mich gesegnet," (1 Mos. 32, 27) noch einmal gesegnet mit einer Stunde ernster Selbstschau, heiligender Prüfullg, treuer Erwägung, heilbrillgcnder Entschließung. — So sei dein Frieden gleich dem Stronle, rastlos wallend, zunehmend und wachsend, Segen bringend dir und deinen Mitmenschen. II. Dem neuen Jahre nufer Zuruf: שלום עליך״ sei zum Frieden gegrüßt, שלום בואך zum Frieden willkommen!" Wiederum nicht Ruhe, nicht Stillstand ist nufer Wunsch. Keine Thätigkeit, kein Streben im neuen Jahre? Das wäre ja nicht Leben, sondern Tod. Aber doch auch incht d i e Thätigkeit nur, die da wiederholt, ohne Besserung und erhöhte Vervollkomnlnung, was schon tausendmal gethan, die nicht vorwärts konlmt u. vorwärts bringt, sondern dem stehenden Rade gleich sich dreht. Führe uns zur Vollendung weiter! Das ist unser Zuruf de!n neuen Jahre. — Was Dir das vergangene Jahr auch g e n o nt-