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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-10-01 · 1 (10.1874) · p. Seite 11

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
1 (10.1874)
Date
1874-10-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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11 Ist die Vergangenheit für uns lebendig oder todt; d. h. sollen wir aus der Vergangenheit in die Zukunft lebendig vorwärts schreiten oder in der Vergangenheit und mit ihr stehen bleiben? Jetzt wird die Antwort keinen Augenblick zweifelhaft sein. Ja ״Heil dem Volke, welches an der Jahreswende den Weckruf versteht, sie gehen, Herr, im Lichte deines Angesichtes vorwärts!" Haben wir das rechte Wort des Zurufs, ׳שלום Frieden, gefunden, so laßt uns nun des Wortes rechten Sinn verstehen, damit wir die passende Anwendung, die eine verschiedene sein wird, erkennen. Wir legen das Wort des Propheten Jesaia (48, 17—18) zu Grunde: ״So spricht der Ewige, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der Einige, dein Gott, der dich belehrt zum Frommen, der dich leitet auf beui Wege, den du gehen sollst. O, daß du gehorchtest meinen Geboten, so würde dein Friede gleich dem Strome sein und dein Heil wie Meereswellen!" Das ist der Zuruf aus dem Munde Gottes, der uns geleiten soll. Mit ihm blicken wir a b s ch i e d n e h m e n d auf das alte, hoffend und prüfend auf das neue Jahr. I. ״D e i n F r i e d e n g l e i ch d e m S t r o m e!" Der Strom aber steht nicht stille, er fluthet, wenn auch abwärts, dem Meere zu — sowie wir niederwärts dem Meere der Ewigkeit entgegenwallen — aber er strömt, vergrößert sich, nimmt Gewässer auf, verbreitet Segen und Leben. So soll der Frieden sein. שלום d. i. nicht der Frieden des Friedhofs, des Stillstandes, das Vollendetsein; solchen Frieden, solche Ruhe haben gerade die edlen Menschen nie; sie haben keine Ruhe, keinen Stillstand, weder in diesem noch in jenem Leben, ״sie wallen vorwärts von That zu That, von Kraft zu Kraft." (Berach. Ende.) שלום d. i. das Streben nach Vollendung, das rastlose Trachten nach שלמות, Vollkommenheit. Was sollen, was können wir nun dem scheidenden Jahre nachrufen? Hat es uns diesen שלום gebracht, sind wir vorwärts gekommen? Wer kann diese Frage für den Andern beantworten?! Das Jahr ist entschwunden. Jahre bringen und nehmen uns Vieles. Das alte Jahr hat Vielen Vieles, Unersetzliches genommen. Habt ihr um Entschlafene geklagt? Da war der Zuruf am Platze: ״gehe ein in Frieden!" Das Jahr hat uns Allen Unersetzliches genommen: Lebenszeit! Ach, daß wir auch von ihr sagen könnten: gehe

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