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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-10-01 · 1 (10.1874) · p. Seite 5

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
1 (10.1874)
Date
1874-10-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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5 auf dasGemüth mehr direct auf den W i l l e n lossteuert, um zum rechten und sittlichen Handeln anzuregen; aber man gelangt am Besten zum Willen nicht blos durch das Herz, sondern auch durch den Verstand. — Es würde auf ein unbegrenztes Feld führen und ich müßte mit selbstverständliche Forderungen (obgleich bei manchen Frommen nur fromme Wünsche) aussprechen, wollte ich mir da gestatten, näher auszusühren, welch' großer Spielraum für Volksbildüng und Aufklärung sich der an den thatkräftigen Willen sich wendenden Predigt eröffnet wird; wie sie da aufklärend heben und stärken kann und soll das Bewußtsein des Einzelnen als Glied seines Volkes, wie sie zu betonen und zu beweisen hat die Heiligkeit der Bande, die ihn an den Nebenmenschen und an sein Land knüpfen, ihm wieder und wieder zu Herzen zu führen die Einheit von religiös-denken, sittlich-leben und patriotisch-handeln, und wie ihr mit einem Worte die große Aufgabe der Charakterbildung zufällt, der Erziehung zu willensstarken, ganzen Menschen; und wie da das geistliche Wort bei der Vorführung von Mustercharakteren wohl auch die Gegenwart nicht ganz links liegen lassen, aber doch bei ihr nicht allzulange verweilen wird, weil doch wohl nicht zu leugnen ist, daß in ihr die Vielseitigkeit des Wissens und der Bestrebungen einer Concentrirung der Willenskräfte zu einem einheitlichen geschlossenen Wesen nicht gar zu günstig ist. Volle, abgerundete Gestalten, ganze Männer, monumentale Charaktere, wie sie nur zerstreut noch reckenhaft in die Gegenwart hineinragen, sind doch zumeist nur in den großen Bildergallerien zu finden, die uns in den alten, zumal in den heiligen Schriften eröffnet werden. Aber noch mehr vielleicht als im Inhalte kann und muß jetzt die Predigt in der Form ein Volksbildungselcment werden. — Um zunächst von der Sprache zu reden, so darf sicherlich die Wirkungsfähigkeit der Predigt auch hierin nicht gering angeschlagen werden. Die Beobachtung dürfte nicht selten gemacht worden sein, daß sie manchem Manne aus dem Volke auch in dieser Beziehung eine fortlaufende Schule ist, die seinen Sprachvorrath reinigt und bereichert, und daß sie ihm oft zum Rathgeber und Corrector für den täglichen Sprachbedarf wird. Daß die Predigt darauf gleichfalls ihr Augenmerk richte, ist daher wohl kein unbilliges Verlangen. Es ist freilich nicht ihres Amtes, Sprachlehrerin zu sein, aber es erniedrigt sie auch nicht, wenn sie es wird und wenn sie sich vor Allem so gestaltet und einrichtet, daß sie das Sprachgefühl der Einen nicht verletze und das der Andern wecke, ausbilde und ver-

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