Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 1 (10.1874)
- Date
- 1874-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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4 fum: ״Der Himmel, meine Brüder, höret, wenn Ihr es noch nicht wisset, hat sich in Dunst aufgelöst, und über ihm ist nicht die besonders erkorene Lieblingswohnung des Höchsten, sondern eine unabsehbare, unermeßliche Schaar von Welten, unter denen unsere Erde, die Euch früher wohl Alles, oder doch der Mittelpunkt des Alls war, nur so nebenher läuft. Habet Ihr schon früher mit unsäglichem Staunen und mit Verehrung zu dem Hervorbringer des Alls e m p o r geblickt, wie muß nun dieses Staunen und diese Verehrung wachsen! Die Schöpfung hat sich erweitert, wie muß sich nun Euer Blick und Eure Bewunderung für den Schöpfer erweitern! — Das Flüssige erhärtet sich noch weiter wie im Uranfange, die Schöpfung dauert in gewissem Sinne fort; Gott hat sich nicht zur Ruhe gesetzt; in uns bisher unbekannten Welten und Sternen findet Ihr Ihn schaffend, belebend und erhaltend." Denn, wenn jener große Astronom, wie sein in Umlauf gesetztes Wort lautet, behauptet, er habe bei seinen Sternenmessungen im Himmel überall Gott gesucht, aber nicht gefunden, so ist dies begreiflich; er hat ihn nicht gefunden, weil er ihn erst suchen mußte, weil er ihn entweder verloren, oder gar nicht besessen hatte. Wer Ihn hat, findet ihn auch überall und wird ihn wohl auch Nachweisen können. — Auch die Gottesgelahrtheit muß sich nun wohl mehr den Dingen, der Wirklichkeit, der Natur zuwenden, von ihnen zum Unsichtbaren aufsteigen und jene alte rein aprioristische Lehr- und Redeweise aufgeben. Der Ausspruch ist doch sicherlich keine Phrase, daß man den Meister desto mehr verherrlicht, mit je größerem Eifer und Verständniß man sich in sein Werk versenkt. Sinnig sagt Trendelen bürg: ״Wenn sich das Auge an der Harmonie der Farben entzückt, so leugnet es die Sonne nicht, vielmehr weiß es, daß die Farben aus dem Lichte geboren sind; wenn sich der Gedanke an den Dingen übt, leugnet er Gott nicht, sondern sieht ihn in der Vernunft der Welt und weiß, daß sie aus Gott stammt." Aber säst könnte es nach dem Bisherigen den Anschein haben, als wollte ich die Kanzel einerseits zum Katheder und andererseits zur Volksrednertribüne machen, der Predigt einerseits die Arbeit der Philosophie und andererseits die der tagtäglich zunehmenden Volksaufklärer zuweisen. Ich weiß zwar nicht, ob es gar so vom Uebel wäre, wenn sie, freilich losgelöst von dem Rüstzeug der Argumentation und Demonstration, diese beiden Aufgaben in sich verbilligte. Aber es ist ja richtig, daß die Predigt durch Einwirkung