Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 147)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9616701-9618385-9618386--2501-9618531- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
141 Einen Himmel pflanzen in das Menschengemüth, die Ge-- danken von Gott, die Begeisterung für Recht und Wahrheit, die Erkenntniß eines höheren Lebens als Aussaat in unser Herz zu legen; wie wüst ist unser Herz, wenn dieser Himmel nicht hineingepflanzt wird. Die hohen Gedanken unserer Religion müssen in's Volk getragen werden; das ist keine leichte Ausgabe; denn so viele, die in's Gotteshaus kommen, sind mühselig und beladen, können sich nicht aufschwingen zu den Höhen der Erkenntniß, aber wer ein hohes Streben hat, wem der Beifall der Menge nicht das Höchste ist, nach dem er an heiliger Stätte ringt, der wird darauf nicht verzichten, den geistigen Gehalt des Judenthums den Hörern zu verkünden. Wer auch nur die Schulbücher, die unser Jubilar herausgegeben hat, kennt, der hat es gewiß oft schon mit frohem Erstaunen wahrgenommen, wie gründlich der Mann die religiösen Probleme durchforscht hat und wie klar und allgemein verständlich er davon redet. So ersaßt und erfüllt er die Ausgabe des Propheten, einen Himmel zu pflanzen, die Erkenntniß des Judenthums zu fördern durch Wort und Schrift. Aber wen Gott zum Propheten weiht, der darf nicht ausschließlich im Reiche der Gedanken leben; er muß ein Bürger dieser Erde sein, er muß heimisch werden im praktischen Leben; er muß ein Tröster der Trauernden, ein Helfer und Berather und Führer sein; er muß die Wahrheit auf den Lippen und die Liebe im Herzen tragen, daß er, wie Jesaias sagt, die Erde gründet, daß er auf Erden am Aufbau des Gottesreiches arbeitet. So steigt der verehrte Rabbiner dieser Gemeinde von der Kanzel herab in das Gewühl des Lebens; jeder in der Gemeinde heischt seinen Rath, trägt ihm seine Sorge vor; überall ist er bcmüht zu helfen, zu fördern, aufzurichten und zu erlösen; und wo er die Noth nichi bannen kann, da hat das traute Gespräch dem Bedrängten wenigstens das Herz erleichtert. Besonders die Schule ist ein Gegenstand seines eifrigsten Bemühens, denn der hat aus Erden dem Reich Gottes ein