Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 142)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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136 eine Summe von Wissen, od׳r besser von Wissensbrocken, die man so ausgeben kann, oder, wenn man sehr gebildet ist, mit denen man um sich werfen kann wie mit baarem Gelbe. Da zeigt sich's denn, daß solche Bildung mit dem inneren Menschen gar nichts zu thun hat, denn Geld trägt man in der Tasche. Sie soll frei machen und die Fesseln sind gar nicht zu zählen, in denen der Gebildete liegt, die Tyrannen, denen er zu gehorchen hat. Sie soll sittlich machen und wir brauchen uns nur umzusehen im Leben, um überall auf Menschen zu stoßen, die nichts weniger als gebildet, aber in vollem Maße sittlich zu nennen sind. Wenn wir aber unter Bildung die Schönheit einer reinen Seele, die Harmonie eines edlen gütigen Herzens verstehen, so müssen nach dieser Bildung alle Reinen׳ Edlen und Guten mit aller Kraft streben. Aber sie müssen vorher rein, edel und gut sein, nur dann dürfen sie nehmen ohne geben zu müssen. Dann werden sie innerlich reicher, geistig freier. Unsere Alten hatten die Innigkeit, wir haben die Cultur, nur aus beiden wird ein innerlich reicher Mensch. Wenn die Augen, mit denen wir sehen, überhaupt Gottliches wahrzunehmen vermögen, dann kann uns auch die ganze bunte Welt nicht blenden, verwirren, aus dem Gleichgewicht bringen. Da wir nun lange genug dem Einen nachgetrachtet, wäre es an der Zeit, daß wir uns wieder an das erinnerten, was unser innerstes Wesen ausmacht, was uns darum allein Werth un) Widerstandskraft verleiht. Allein, so scheint es, können wir uns dazu nicht aufraffen, bis wieder ein Treiber uns zusammendrängte. Es ist diesmal kein Antiochus gewesen. Nur kleine, ohnmächtige Geister sind es, die mit aller Macht uns aus dem Herzen reißen möchten, was uns teuer ist. Wenn über- Haupt eine Wendung zum Bessern eingetreten ist, so sind es diese Nachkommen des Antiochus gewefen, unsere Feinde, die uns den rettenden Dienst gethan. Israel war nahe daran sich zu verlieren, da kam die neue Verfolgung und