Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 141)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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135 Also fingen wir an gebildet und zeitgemäß zu werden, der Sabbath wurde nicht mehr gehalten, denn dieser Tag ist gar nicht zeitgemäß, die Feste des Herrn entweiht, wenn sie nicht zeitgemäß sielen, das jüdische Gesetz, die jüdische Lebenssührung bei Seite gesetzt, das jüdische Haus mit seinen Tugenden gründlich zerstört. Unsere Kinder wurden natürlich gleichfalls zeitgemäß erzogen, d. h. sie müssen alles lernen was vorteilhaft, ansehnlich und angenehm macht. Daß dazu der Religionsunterricht nicht gehört oder erst an allerletzter Stelle kommt und im Confliet (z. B. mit dem Clavierunterricht) unerbittlich weichen muß, liegt auf der Hand. Wir sind also gebildet und zeitgemäß geworden in allen Dingen, äußerlich und innerlich, ich behaupte sogar, wir sind es ganz ungemein, denn wo etwas Gebildetes los ist, sind wir immer die ersten. Und nun laßt uns nach dem Erfolg fragen, den wir von unserm heißen Bemühen gehabt haben. Stößt man uns weniger ab? Haßt man uns in geringerem Maße? Mir will das Gegentheil scheinen, mir will es scheinen, daß man da draußen grade fctejeuigert am heftigsten ablehnt, die am heißesten um Gunst werben, und diejenigen doch wenigstens gelten läßt, die gar nicht werben. Tiefer als je ist die Kluft geworden, die uns von denen trennt, die unsere Brüder sein sollten im Vaterland und in den hohen Zielen, nach denen alle Guten streben sollen und nach denen wir nur auf unsere Art streben zu dürfen verlangen. Ueppiger und giftiger ist die Saat des Hasses aufgeschossen, trotz aller Preisgabe, trotz allen Bestrebens nach Bildung und zeitgemäßer Art. Da müssen wir also wieder recht ungebildet und unzeitgemäß werden? O nein! Wir müssen uns nur erst klar machen, was wir uns unter Bildung zu denken haben, denn nach dem Zeitgemäßen haben Israeliten, die für die Ewigkeit leben, gar nichts zu fragen. III. Nach dem Reden und Thun der Menschen ist Bildung