Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 139)
- Language
- German
- Belongs to
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133 brauchen. Es ist damals nicht das letzte Mal gewesen, daß eine neue Cultur mit der alten Religion und Sitte um den Sieg stritten, es ist nicht das letzte Mal gewesen, das Israel, leicht entschlossen, das Erbe der Väter zu derkaufen gewillt war für die zweifelhafte Anerkennung des machthabenden Volkes; es ist endlich nicht das letzte Mal gewesen, daß erst gerade ein Antiochus der Reifen sein sollte, der das zerspringende Gefäß zusaminenhielt, der wie ein feindseliger Treiber uns zusammenscheuchte, daß erst Druck und Verfolgung uns zur Selbstbesinnung bringen mußten, wo denn die wahre Heimat unserer Seelen sei. Ueberfliegen wir mit einem Sprunge die unzähligen Wiederholungen jener Zeitbilder und stellen wir uns dorthin, wo wir heimisch sind, in die Gegenwart und ihre jüngste Vergangenheit. II. Unsere Großväter, ja noch unsere Väter, könnten uns erzählen, wie in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts die Mauern der Judengassen fielen und Israel, sich erstaunt die Augen reibend, plötzlich eine Cultur vor sich sah, die sich um die Erbschaft mehrerer Jahrtausende gegen die damalige griechische bereichert hatte. Nicht lange und es erfolgte der unausbleibliche Zusammenprall; moderne Sprache, moderne Bildung und moderne Gesittung flutheten in die Judengassen und es traten dieselben Erscheinungen auf wie damals. Auch hier auf der einen Seite die Alten, die alles Neue verdammten, mehr in der richtigen Ahnung als Ueberzeuguna, daß in der Regel das Ende der Nachgiebigkeit Preisgabe sei. Auf der andern Seite die Schaaren der Ueberläufer, welche von dem Glanz der neuen Welt geblendet, die häuslichen, mit tausend Erinnerungen geschmückten, aber ungestalten Altäre niedcrrissen und mit fliegenden Fahnen in das Lager der neuen Göttin Bildung übergingen. Auch jetzt wieder waren die Abtrünnigen die erbittertsten Feinde, die stolzesten Verächter des Alten und zugleich die Vornehmsten, oder, wenn man wieder will, sie