Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 122)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Glaube gebildet ist, in das Auge zu fassen und jede einzelne für sich bis zu ihrem Ursprünge zu verfolgen, damit wir ihre Stärke und ihre Dauer einsehen und anerkennen. Zum Leitfaden dieser Betrachtung wollen wir die heute vorgetragcnen, poetischen Freudenworte wählen, welche in der Begeisterung für das Heil durch Gott ausgesprochen wurden: ״Ich darf des Herrn mich freuen, ich jauchze ״dem Gotte meines Heils. Gott, der Herr, ist meine ״Stärke, er macht meinen Fuß dem des Hirsches gleich, ״auf meine Höhen wird er mich sicher leiten." (Habaknk 3, 18-19.) I. Der Glaube an Gott, an seine Leitung, an seine Unendlichkeit, und besondere Aufmerksamkeit auf das Treiben und Wirken der Menschen, gereicht dem Sterblichen zur wahren Freude. Denn auf welche Weise würde der Mensch selbst in seinem Glanze und der vollkommensten Pracht sich glücklich fühlen können; auf welche Weise wird er die Stunde, in welcher er alles besitzt, was er zu seinem Unterhalte und noch zur Unterstützung Anderer bedarf, segnen; auf welche Weise wird er in dem fröhlichen Kreise der Seinigen mit Vergnügen einherwandeln, und sich durch das gutmüthige Lächeln seiner geliebten Kinder, als Zeichen ihrer Gesundheit, so wahrhaft ergötzen; wenn der höheren Macht uneingeschränkte Wirkung noch nicht sein sich selbst überschauendes Innere erweckte, und in seinen Gedanken noch die zerstörende und zugleich betrübende Verirrung herrscht: es fei des Zufalls, des Absichtslosen Werk, diese sichtbare Welt; wenn er befürchten muß, daß diese Hand, welche durch keine Ursache bewogen, von keinem Zwecke verleitet, ihn auf des Glückes Höhe stellte, den andern Augenblick auch wieder ohne irgend einen Grund ihn in des Jammers Tiefe stürzt; wenn ihn der schreckliche Gedanke ängstigt, daß nicht durch einen selbst die Weisheit schaffenden Geist die Lebensbedürfnisse und auch noch ein Ueberfluß, zum Wohle Anderer, in seine Gewalt gelegt