Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seele berühren, und sie bald zu tiefer Trauer rühren, bald laut aufjubeln macht? Was es ist? Er kann Euch selbst nicht davon Rechenschaft geben. Mit ursprünglicher Macht taucht es auf bei ihm, es ergreift und treibt ihn; er ist selbst oavon überrascht; es ist eine Idee, die als Fremdes ihm gegenübersteht, die er nachher mit seinem Denken erfassen muß, wenn er sie darstellen will. Das Thun ist das Ursprüngliche, das Denken das Folgende. Fraget den Dichter, ob er all der feinen Bemerkungen, die der Kunstdichter in seinem Kunstwerke macht, ob er sich vorher bewußt geworden? Fraget den Helden, ob er alle Möglichkeiten der Schlacht berechnen konnte, ob nicht das Unerwartete wie ein Blitz in ihm aufzuckende Handeln ihm den Sieg verschaffte. Alles Große wird, wie man sagt, erfunden, wird wirklich gefunden als ursprünglich neue Schöpfung des Menschengeistes. Allerdings muß sich dieser That das Denken bemächtigen, damit cs sein Eigeuthum werde. Das Gute tritt bei jedem Menschen ursprünglich auf; es lebt in ihm in ursprünglicher Kraft eine Macht, die ihn treibt, Gutes zu thun. Wer nun dieser treibenden Macht folgt, und die Gesetze ihr ablauscht, der wird gute Grundsätze und eine gute Gesinnung erlangen, wer hingegen den bösen Mächten der Leidenschaften folgt, wird diese in's Denken ausnehmen und schlechte Grundsätze erlangen. Der Mensch weiß was er thut, heißt: Er denkt wie er handelt. Erkennet ihr nun die Bedeutsamkeit der Antwort unserer Ahnen, die in heiliger Begeisterung riefen: Wir wollen thun und verstehen! Israel hat dieses Geheimniß den Engeln abgelauscht, bei denen die Macht des Guten stets wirkt. Fraget die Erfahrung, ob sie nicht mit unserer Behauptung übereinstimmt. Zwei Menschen von verschiedenen Grundsätzen werden sich nie verständigen. Ihr Verstand ist gleich ausgebildet, aber sie gehen von vcrschiedenen Thaten aus. Wie entsteht der ausgebildete Bösewicht? Er begeht erst eine schlechte That, macht sich dann Grundsätze, und wird ein Verruchter. Fraget die-