Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616701-9618385-9618386--2445-9618475- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
85 Gesellschaft, und unsere Feinde sind die Feinde der staatlichen Ordnung. Dann weichet die Furcht, die nur zu verfehlten Maßnahmen führet, wir stehen fest und schauen die Hülfe Gottes, wie wir sie noch in den jüngsten Tagen gesehen in dem Strafgerichte, das ohne unser Hinzuthun die Sippe der Verleumder traf. So beherziget wie einen Aufruf zur Festfreude das Wort Mose's an die Verzagten: ״Fürchtet Euch nicht! Stehet fest, und Ihr werdet schauen die Hülfe Gottes . . . Gott wird für Euch kämpfen, Ihr aber könnet stille sein!" Amen! XIII. ׳Ich schlase, aber mein Herz ist wach! Predigt am achten Tage des Peszachfeftes. Von Rabbiner Dr. Jacob in Göttingen. M. A.! So sind wir denn am Ende des Festes, mit dem wir die Befreiung unseres Volkes aus ägyptischer Knechtschaft gefeiert. Wiederum haben wir an den Quellen des Stromes gestanden, der uns durch mehr als drei Jahrtausende der Geschichte unsres Stammes getragen, haben wieder miterlebt die Großthaten Gottes an dem kleinen Volke, seine Leiden mitgelitten, seine Erhebung mitgefeiert, seine Siegeslieder mitgesungen. Wie viel Stürme seitdem auch über unser Volk hinweggebraust, wie oft sich auch seitdem die Erde verjüngt und ihre Geschlechter, nicht geringer worden ist die Kraft, mit der das Fest und das Geschehnis, das es verewigt, uns unwiderstehlich in seinen Bann zwingt. Wie reich auch die Geschichte Israels an furchtbaren Schicksalsschlägen, wunderbaren Siegen und Errettungen ist — der Auszug aus dem Aegypterland ist nicht nur die älteste Erinnerung, er ist auch stets die lebendigste, frischeste, unvergänglichste geblieben. Wenn Propheten, Weise und Lehrer, an Israel das Wort richtend, sich zurückwenden zu den Tagen der