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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 78 (sequence 84)
Language
German
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_76 _ gründet ist. Wir lesen niemals von den Ereignissen der Vergangenheit, ohne dabei an die Gegenwart zu denken und auf die gleichen oder auch nur ähnlichen Erscheinungen derselben die Nutzanwendung zu machen. So wird die Vergangniheit zur Lehrmeistenn der Gegenwart. Es darf uns darum nicht Wunder nehmen, daß unser Festereignis das ganze Mittelalter hindurch bis an die Schwelle der neuen und neuesten Zeit unseren Vätern vorbildlich gewesen ist sowohl für dasjenige, was sie ihrer Zeit beklagten und befürchteten, wie für dasjenige, was sie erhofften und herbeisehnten. Der Pharao und seine Räthe, die Zeichendeuter und die Vögte, die seufzenden Väter, die angsterfüllten Mütter, die ertränkten Kinder, die Freiheitsboten Mose und Aaron, die Wunder und die Strafgerichte, die Befreiung und die Erlösung, kurz: alle Personen und Thatsachen der Heilsgeschichte waren ihnen lauter Schattenbilder, die sie in den Erscheinungen der Gegenwart wieder verkörpert und zu neuem Leben erwachen sahen. Gottlob, m. A.! daß eine solche Nutzanwendung unseres Festereignisses in unserer Zeit und in unserem Lande nicht mehr so nahe liegt: Israel ist freigeworden und es fürchtet nicht mehr weder die Zeichendeuterei der Hospropheten, noch die Selbstsucht der niederen Treiber und Vögte, und an das ägyptische Zicgelstreichen ist trotz aller Bemühung unserer Oberkaste nicht mehr zu denken. Dagegen liegt die Anwendung auf die Gegenwart auch für uns überaus nahe bei dem Ereignisse, von dem uns der heutige Festabschnitt berichtet. Da handelt es sich nämlich darum, das bereits,befreite Israel in die frühere Knechtschaft zurückzuführen. Hier sehen wir auf Seite der Acgypter die List mit der Gewalt im Bunde, um ein Königswort zu brechen und die kaum Befreiten in das alte Joch zurückzuzwinaen. Und gerade die ״Edelsten des Volkes" beantragen den Rechtsbruch und scheuen sich nicht zu bekennen, daß sie nur aus nacktem Eigennutz, um sich die Sklavenarbeit Israels auch weiter zu sichern, zu solcher

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