Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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71 nur für bestimmte Frist den Thron zuspricht. Wenn aber die Zeit abgelaufen, dann weigert sich der Wachhabende den Thron zu verlassen und widerwillig muß er gezwungen werden, den Vorrang abzutreten. So wiederholt sich ewig das Spiel in dem Kampf der Elemente. Er sieht ihn abgespiegelt in seinem eigenen Leben und dem seiner Genassen. So lange er aus Erden weilt, beherrscht ihn die Macht des Lebens, aber beständig bedroht durch die finstere Gewalt des Todes, in Krankheit ringen sie um ihn, bis endlich der Tod die Herrschaft antritt und Leben und Freude besiegt entweichen. Das ist der Kern aller Religionen, die in den Erscheinungen der Natur wurzeln. Dasselbe Gesetz sieht der Mensch wieder im Leben der Menschheit, wenn Mensch gegen Mensch, Volk gegen Volk ringt; der Sieger unterliegt bald wieder einem Gewaltigeren. Ist dort der Gegensatz Licht und Finsternis, Leben und Tod, so heißt er hier Gewalt und Recht. Immer von neuem erhebt sich das getretene Recht und immer von neuem wird es von der stärkeren Gewalt niedergeworsen! Wenn dann endlich der geschärfte Blick des Menschen von seiner Wanderung durch das Reich der Natur durch die Geschichte des menschlichen Geschlechts in das eigene Innere zurückkehrt, da entdeckt er hier immer dasselbe Gesetz, dieselben Gewalten kämpfen in seiner Brust den nie geendeten Streit und jetzt heißen sie Gut und Böse. In dem Drange anzuschauen werden sie ihm endlich lebendig und in dem Wunsch und Bedürfnis, die Uebermächtigen anzubeten, macht er sie zu Gottheiten des Guten und Bösen, der Gewalt und des Rechts, des Lebens und Todes, des Lichts und der Finsternis. Beide stattet er aus mit denselben Vorrechten und so verewigt er den Gegensatz. Nun nimmt er die Teilung vor, dem einen giebt er das oberirdische, dem andern das unterirdische Reich, und die Erde mit ihm daraus ist das herrenlose Grenzterrain, in dem der ewige Kampf besteht. Das war in seinem Wesen der Glaube des Volkes, das Israel am Peßach hinter sich ließ