Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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72_ der Völker, denen es entgegengiug, der Völker, die es später umringten, ja auch heute noch lebt er nicht blos in Sagen und Märchen, sondern in vielen Menschen, die sich nur bis zum Bewußtsein des Gegensatzes durchgerungen, denen aber doch nicht der verheißene Strahl eines ewigen Tages gewinkt hat. Doch nein, es giebt auch eine Form des Glaubens, der Meltbetrachtung, welche einen entscheidenden Schritt gethan, und der einen Macht den endgültigen Sieg zusprechen. Sie sprechen ihn der Finsternis, dem Tode, der Gewalt, dem Bösen, zu. Giebt es überhaupt, so sprechen sie, ein Gutes, so muß cs ewig erliegen, die Herrschaft gehört dem Bösen, jeder Kampf endet mit ihrer Befestigung. Die bösen Triebe im Menschen sind die stärkeren und endlich die einzigen. Giebt es überhaupt ein Recht, so ist es ein Schatten, ein blasser Schein gegen die kraftvoll einherschreitende und niedertretende Gestalt der Macht. Ob dem Recht die Herrschaft gebührt oder nicht, sie wird ihm niemals gehören, Gewalt herrscht auf Erden und so wird es bleiben. Daß der Tod mächtiger sei denn das Leben, dafür entheben sie sich gänzlich jedes Beweises, denn lehrt es nicht jeder Tag? Das Licht freilich können sie nicht leugnen, oder doch, es ist ihnen nur eine hellere Finsternis, ein freiwilliges Ausruhen, während dessen sie gefällig dem Tage die kurze Negierung überläßt. Aber einst werden auch die schwachen Mächte des Guten, des Rechts, des Lichts in ihre unsichtbaren Wohnungen des Oberen zurückvertrieben, dann drängen aus den Tiefen die finstern totbringenden Mächte und errichten auf Erden ihr einsames Reich der Zerstörung. Ein trübes Bild fürwahr und es könnte uns wohl bekehren, wenn wir nur auf seine eifrige Rede hören. Sehen wir nicht immer wieder hoffnungsfreudige Frühlingsblüthen, des Sommers Fülle, erstehen unter dem unbarmherzigen Eiseshauch des Winters? Sehen wir