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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 62 (sequence 68)
Language
German
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Heiligthum ist, wenn ein frommer, lauterer Ton durch seine Räume klingt und religiöse Uebungen seinem wechselvollen Leben erhöhte Bedeutung verleihen. Da wächst es fröhlich heran in Gottesfurcht und ehrbarer Sitte, in der Liebe zn Eltern und Geschwistern und in der Freundwilligkeit zu den Menschenkindern. Denn das Kininrherz ist ein empsäng׳ licher Boden, es lohnet tausendfach die Saaten, die ihm anvertraut werken; und wie Regen und Sonnenschein die Keimkraft des Erdreichs erhöhen, so beschleunigt das fromme edle Beispiel der Eltern die glückliche Entwickelung der zarten Kinder. Ja, Heil dem Kinde, an welchem Vater und Mutter zu Erlösern werden. Denn es giebt nichts Hülfloseres auf Erden als so ein Menschenkind. Aus den Banden der Thierwelt, die es von Geburt an umschlingen, muß es erst allmählich erlöst und herausgesührt werden zur Freiheit des Menschcnthums. Und es kann selber so wenig dazu beitragen, wie der Gefesselte sich selbst zu befreien vermag; es ist hier ganz und in Allem auf die Eltern angewiesen. Diese müssen dem Kinde, das in seiner Einfalt noch Alles ohne Frage und Unterscheidung in sich aufnehmen möchte, die Pforten öffnen, die zum Hciligthume der Religion, zu den Schätzen des Wissens und zu den Gütern edlen Menschenthums führen. O der heiligen und verantwortungsschweren Aufgabe, die hier den Eltern obliegt! Die Verheißung des Ewigen an Israel: ״ והוצאתי אתכםIch werde Euch heraussühren" aus der Finsterniß Aegyptens zum Lichte des Glaubens — die Eltern haben sie an ihren eigenen Kindern zu vollziehen. Darum steht die Mahnung, die dem Allerheiligsten des Familienhauses gilt, gleich am Eingänge der Festesfeier, und den Weihespruch, mit dem der Hausvater den ersten Kelch erhebt, wandelt sie zum feierlichen Gelöbniß: die Kinder des Hauses durch Lehre und Beispiel zu erlösen und für die Heilssendung zu erziehen, zu der uns der Ewige in Aegypten erkoren und für alle Folgezeit bestimmt und berufen hat.

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