Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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56 gedeiht, alles entfaltet sich, das Familienleben wird nicht gestört, keiner blickt neidisch und haßerfüllt aus den?ludern, keiner sürchtet den andern; die Sehnsucht nach solchem ewigen Frieden lehrt die Religion Israels und die schönsten Worte findet Jesaias, wenn er diesen Frieden ausmalt, die Zeit ״da der Wolf neben dem Lamme wohnen, der Leopard neben dem Böcklein lagern wird". Dieser ewige Frieden soll ja die Völkerverbrüderung cinleitcn, wo aushört jeder Haß, jeder Zank, jede Ueber- Hebung, dieser ewige Frieden soll ja mit sich bringen die Gleichheit aller Menschen, wie ja alle vor Gott gleich sind. Nein, die Sehnsucht nach dem ewigen Frieden mit der allgemeinen Verbrüderung ist dem Geiste der jüdischen Religion nicht fremd, und als der Tempel auf Moriah stand, fand diese Sehnsucht ihren Ausdruck am Sukkvthfeste, an welchem man 70 Stiere opferte. 70, denn man nahm an, daß so viel Völkerschaften auf Erden seien, daß sich in 70 Sprachen die Menschen verständigten. Kein Volk sollte ausgeschlossen von den Segnungen der neuen Zeit sein, allen soll der Segen Gottes zu theil werden, und selbst wenn sie Feinde Israels heute noch sind, auch sic werden einst den Gott Israels anerkennen. So lehrte uns die Religion die Sehnsucht nach dem ewigen Frieden. Und wenn Jemand fragte, lehrte nicht die Religion den Kampf und den Krieg, gab es je größere und heftigere als die Religionskriege, so antwortet Israel wieder: ich weiß nicht welche Religion ihr meinet, aber meine Religion lehrt: Gott will den Frieden, daß die Erde ein Abbild des himmlischen Reiches sei, wo herrscht der Frieden. Und das dritte neben geistigem Fortschritt und Wissenschaft, welches uns die neue Welt bringen soll, ist das Glück des Einzelnen, daß keiner dem?Indern ein Leid zufüge, sondern jeder hilfreich, edel und gut sei, daß jeder genug besitze und erlange, um vor des Lebens harter Noth geschützt zu sein, und Hungersqual nie kennen lerne, und immer einen Ort sein zu nennen, wo er sein müdes Haupt