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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 57 (sequence 63)
Language
German
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57 KM niederlegcn könne. Uns ist diese Forderung an die Humanität nicht neu, wir kennen sie seit Jahrtausenden durch das Wort unserer Thora: ״Wenn Dein Bruder verarmt und es wankt seine Hand, so ergreife sie, stütze den Fremdling und den Eingeborenen, daß er bei Dir lebe." Wir kennen diese Sehnsucht durch das Wort unserer Thora: ״es möge nie ein Dürftiger sein in allen Deinen Städten". Wir kennen das Ideal allgemeinen Glückes, wir kennen auch den Weg dazu: ״Alle diese Segnungen werden Dich erreichen, wenn Du hören wirst auf die Stimme Deines Gottes", denn eben nichts anderes will unsere Religion, als Dich in diese neue bessere Welt zu bringen. Und wenn uns nun Einer fragte, leget ihr nicht mehr in Eure Religion hinein, als in ihr enthalten ist, ist es denn möglich, daß aller Fortschritt der Menschen, die ganze sittliche Entwicklung der Jahrtausende, woran die Besten und Edelsten mitarbeiteten, in Eurem Judenthum enthalten sei? Da antworten wir, indem wir unsere Bibel ausschlagen: Leset die Reden der Propheten und beantwortet Euch Eure Frage selbst! leset diese Reden und prüfet, ob sie nicht auf der himmelaufragenden Höhe des Menschenthums stehen, dort wo Wahrheit, Frieden, Gerechtigkeit und Güte ein׳ ander die Hände zum Bunde reichen. Das ist eben der religiöse Genius, der in den Propheten verkörpert ist, daß er nie veraltet und nie überholt werden kann, daß sein Wort giltig bleibt für alle Zeiten! Oder meint Ihr, wir wären Thoren, einer Religion so innig anzugehören, ihr Gut und Blut und alle Vortheile zum Opfer zu bringen, wenn sie nicht das Schönste und Beste lehrte, meint Ihr, wir wären gedankenlos und stumpfsinnig, einer Fahne treu zu bleiben, wenn sie uns nicht auf den Weg zum Glücke leitete, meint Ihr, wir würden Jahrtausende lang Sehnsucht nach den Idealen unserer Religion empfinden, wenn unsere Ideale nicht auch Ideale der Menschheit wären! und darum dürfen wir in unseren Gotteshäusern an unseren Festtagen dem Genius des Menschengeschlechtes huldigen, denn das

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