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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 55 (sequence 61)
Language
German
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55 KM II. Das, m. A., ist die Sehnsucht Israels immer gewesen, nicht der Fortschritt der Zeit hat sie hervorgerufen, sondern sie bewirkte den Fortschritt. Die Sehnsucht nach Wahrheit schärfte das Auge des Forschers, kräftigte den Geist des Denkers. Und wenn einer fragen würde: Liegen nicht die Wissenschaft mit der Religion im ewigen Streite, hat nicht die Wissenschaft zu kämpfen gegen die religiösen Anschauungen und Schritt für Schritt erst alte Vorurtheile niederreißen müssen, bevor sie daran gehen konnte, ihr Reich der Wahrheit aufzubauen, so antwortet Israel: Ich weiß nicht, welche Religion Du meinst. Meine Religion lehrt: ״Wahrheit ist das Siegel der Gottheit". Suchet nach Wahrheit, wo ihr sie findet, habt ihr Gott gefunden, strebet rücksichtlos nach Wahrheit, wenn Wahrheit auf Erden sprießt, dann offenbart sich die Majestät Gottes, wenn wir sein Walten erkennen, dann werden wir nicht sein vergessen, sondern ni's Knie sinken und anbetend ausrufen: ״Dir allein, o Gott, gehört alle Größe, alle Herrlichkeit!" Mögen der Geist der Lüge, des Vorurtheils, der Knechtschaft und des Aberglaubens die Wahrheit scheuen und fürchten, der Geist der jüdischen Religion dringt nach Klarheit, nach Wahrheit, denn unser Hauptgebet Sch'ma schließt mit dem Wort אמת! Wir fürchten nicht die neue Welt der Wahrheit, wir suchen sie, weil die Religion uns die Sehnsucht nach Wahrheit in's Herz pflanzte. Und neben der Wahrheit ist der Frieden der größte Segen der Gesellschaft, wie N. Simeon ben Ehalasta sagt: ״Nichts enthält soviel des Segens, soviel des Guten als der Frieden". Kamps und Krieg, das bedeutet zertretene Fluren, händeringende Weiber, die den Tod des Gatten betrauern, klagende Mütter, jammernde Waisen. Der Frieden bedeutet die ruhige erhaltende Arbeit auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit, auf den Fluren hört man das Lied der Schnitterinnen, der Reichthum des Landes mchrt sich, alles t'i'■ '־■)*

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