Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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54 ausgezeichnet durch ein besonderes Opfer. Mit silberner Schale schöpfte der Hohepriester Wasser aus der Siloah« quelle und trug dieses in den Tempel, um es dort auf dem Altar als Wasscropser darzubringen. Zunächst bedeutet dieses Opfer einen Ausdruck des Dankes für das erfrischende und belebende Element, ohne welches ja nichts gedeihen kann; ist ja der Regen so nvthwendig wie Sonnenschein. Dann aber war das Wasser den alten Israeliten ein Symbol für jede Tugend, selbst die Gotteslehre wird mit dem Wasser verglichen. Auch wir behielten in unserem Festgebete eine Erinnerung au das ehemalige Wasseropfer, indem wir heute, am achten Tage des Festes, das ״Gebet um Regen" einstigen. Leicht erklärlich, warum gerade am Sukkothseste, da jetzt die neue Saat in die Erde gelegt'wird; wir beten nun zu Gott, daß ihr nichts mangle um hundertfältig Früchte zu tragen. Aber das Gebet erhebt sich über das Irdische und trägt den Geist fort in die ferne Zukunft; da die Menschen auch einen andern Durst empfinden werden ״zu hören das Wort des Ewigen", den Durst nach Wahrheit, nach Erkenntnis Gottes. Und verglichen wird da die Thora dem Wasser, die Wahrheit — sie belebt, sie erhält, sie erfrischt, ״ein Baum des Lebens ist sie Allen, die ihr anhangen". Aber nicht genug damit, noch in einer andern Beziehung gleicht die Erkenntnis dem Wasser. Wie das Wasser von der Höhe zur Ziese seinen Lauf nimmt, so ergießt sich auch die Erkenntnis von der Höhe zur Tiefe, einigen auserlesenen Geistern wird sie offenbar, diese machen sie den Mitlebenden bekannt. Abraham war der Erste, der Gott erkannte, aber er verbreitete diese Erkenntnis, bis ein ganzes Bolk diesem Gotte angehörte. Israel war lange allein das Bolk, das dem Ewigen diente, aber unentwegt hielt es hoch diesen Glauben, lehrte diesen Glauben und von Tag zu Tag wird es allen Menschen bekannter und unsere Sehnsucht bleibt, daß die Erkenntnis der Wahrheit die Erde bedecken werde, wie dasWass er den Meeresgrund bedeckt l