Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 43 (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9616701-9618385-9618386--2403-9618433
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

43 für einen Moment durch grelle Blitze aufgehellt. Aber kurze Zeit darauf hat sich das Wetter verzogen und Saaten und Bäume sind erfrischt und neubelebt. So konnte der Propheten Rede erschütternd wie ein Gewitter und dadurch belebend wirken. Und andernteils konnte das Wort jener gewaltigen Männer fortreißen, begeistern, es konnte wie Früh lingsregen ein rasches Wachstum des Guten und Edlen erzielen. Jedoch alle diese Erfolge blühen nur dem, der, und hätte er auch die glänzendste Begabung, nicht sich selbst sucht und seinen Glanz und seine Größe, sondern der mit Mose spricht: ״Den Namen Gottes rufe ich, seine Größe will ich künden." Auch die Rede vor Gott und für Gott braucht den Schmuck nicht zu verschmähen, der geistlicher und weltlicher Rede schön ansteht. Aber ohne das heilige Feuer von innen wird selbst der fähige Mann nur ein Wortkünstler bleiben, der allenfalls Bewunderung aber keine Siege des Göttlichen gewinnt. Die religiöse Beredsamkeit hat in Israel im letzten Jahrhundert einen großen Aufschwung genommen; aus einer Ver- Milderung ohnegleichen haben wir den Weg zurückgefunden zum Wahren und Schönen, aber wir sind noch weit, weit entfernt vom Vorbild der Propheten, die alles, was sie und ihre Zeit bewegte, in ihren Reden zum Ausdruck brachten. Hier gilt es, die Lehre zu beherzigen: ״Erweitere Deine Zelte", Himmel und Erde sollen durch des Menschen Mund für Gott Zeugnis geben, auch die weltliche Weisheit ist eine göttliche, alles gehört in die Synagoge, was von Gottes Größe kündet; die Predigt ist keine abgeschlossene Kunstform, sie ist nicht für die Denkträgeu, sondern sie soll in volkstümlicher Weise womöglich alle Gebiete menschlichen Geistes aufklären mit dem Lichte der Religion, dazu soll sie allerdings auch die Müden stärken und das Gemüt erfrischen. ,,Es träufe wie Regen meine Lehre, es riesele wie Thau mein Wort, wie Gewittergüsse auf das Gras, wie Frühlingsregen auf die Flur! denn Gottes Namen rufe ich, seine Größe will ich künden."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.