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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 42 (sequence 48)
Language
German
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42 der Regen, sagen die Alten, ist für den Wunderer unbequem, aber für die Landschaft ein Segen. So kann es Vorkommen, daß eine religiöse Rede dem und jenem unbequem ist, der findet den Gegenstand zu hoch, der Andere zu trivial, das schließ! nicht aus, daß sie für die Gesamtheit nützlich und ersprießlich ist. Es soll niemand von den Menschen gering denken, zu denen er redet, das ist sündhaft und thöricht; unsere Allen raten dem Redner, Ehrfurcht zu haben vor der Genieinde, denn dies ist ein wirksames Mittel des Erfolges aber gerade wer seine Zuhörer achtet, der wird ihnen nich ohne weiteres zu Munde reden und nicht unbedingt nach ihrem Geschinacke sich richten. Nun fährt Mose fort: ״Es riesele wie Thau mein Wort." Der^Thau rieselt unvermerkt hernieder, niemand wird von ihm gestört, niemand sieht sein Kommen. Er ist da und erquickt die Flur. Die religiöse Rede wendet sich auch an den Willen, sie will bessern, sie mahnt, sie warnt; etwa indem sie schilt und stürmt und poltert, oder indem sie mit ätzendem Spotte verfolgt oder durch eine genaue Schilderung eines Fehls einen Menschen bloßstellt? O nein, nicht jede Arznei ist bitter, und oft gelingt die Heilung auch ohne weh zu thun, ohne zu verwunden. Eine moralische Betrachtung schildert ein sittliches Uebel, erklärt seine Ursache, kennzeichnet seine Schäden, zeigt den Weg, es zu beseitigen und diese allgemeine Betrachtung, die niemand kränkt, niemand beleidigt, die wie Thau das Herz erfrischt, hat unvermerkt auch aus den Einzelnen gewirkt und ihn gebessert. Aber ein Mose stellt noch höhere Ansprüche an sich' Versuche es ein jeder nach Kräften ihn! nachzustreben. Jene sanfte, milde, gleichinäßige Wirkung, die der Wirkung des Thaues, des Regens vergleichbar ist, genügt ihm nicht, er will erschüttern, er will begeistern. Ein Gewitter stürmt durch die Landschaft; die Saaten, die aufgerichtet dastanden, liegen am Boden, es ächzen der Bäume stolze Kronen, dunkle Wolken türnien sich an! Horizonte, der Himmel hat seine Schleusten geöffnet und dies ganze düstre Bild des Schreckens wird hin und wieder

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