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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 35 (sequence 41)
Language
German
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35 gewaltigen Donnerschlag aus heiterm Himmel die Mensche« erschrecken, dann rusen sie: ״Ach Gott!" So sie aber dann angst- und oerzweiflungsvoll nach Gott fragen, Trost suchen und Hülfe erwarten, da fehlt ihnen der Glaube und das Vertrauen. Dies sind Güter des Herzens, welche man nicht, wie die Güter des Lebens, fertig und vorräthig, leichten und wohlseilen Kaufs aus dem Schreine nimmt; solche Güter und Schätze müssen vorbereitet und alle Zeit geehrt und gepflegt werden. Wer sie nicht zu jeder Zeit entbehrt, dem fehlen sie in den Tagen des Unglücks und der Trostlosigkeit. Da fragt man nach Rath, da sucht man nach Trost und findet ihn nicht. Der Schrein des eignen Herzens ist leer, man hat ihn in guten Tagen nicht gefüllt, da kann man in bösen Tagen ihm nichts entnehmen; die Klage und das Beileid der Freunde ist eitle Rede, die nichts nutzt und frommt, selbst Thronen lindern den Schmerz und das schwer bedrückte Herz nicht, ja sogar der Hinblick auf die schuldlosen Kinder, die Lieblinge Gottes und die Freude der Eltern, der Ausblick zu der Heranwachsenden Jugend, der Grund aller Hosinungen für die Zukunft der Eltern, vermag sie nicht zu trösten. Der Blick bleibt starr, der Mund bleibt stumm, das Herz bleibt kalt; ich bin verloren, ruft der Unglückliche in seiner Trost- und Glaubenslosigkeit. Armes Geschöpf - der Mensch in seiner Gott- und Religionslosigkeit! Jedoch diese Stunde, in welcher wir bei den Todten weilen, soll und will uns nicht ängstigen, sondern nur den Ernst des Lebens zeigen, wie er uns überall entgegentritt, Hinweisen auf das, was geschehen ist, Hinweisen auf das, was kommen kann. Wir kennen die möglichen Gefahren und Leiden nicht alle, welche ungeahnt zu uns herantreten und unversehens für uns zur Wirklichkeit werden können. Die Zukunft ist ja stets für uns in Dunkel gehüllt, und wir wissen nicht, ob Glück uns lacht oder Unglück uns droht. O, die da ihres Reichtums oder ihrer Macht sich sicher glauben, sie wissen nicht, was der morgende Tag ihnen bringt. Wer ist seiner Zukunft sicher und weiß, ob seine Unternehmungen gelingen, 3*

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