Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Tage in erster Reihe zerknirscht urtb demütig vor Gott gebüßt zu werden. Von Abraham, so lehren unsere Weisen, stammt dieEinrichtungdes Morgengebetes, von ihm aber spricht der Herr: ״Denn ich kenne ihn und weiß, daß er seinen Kindern und seinen Nachkommen befehlen wird, in den Wegen Gottes zu wandeln, Tugend zu üben und Gerechtigkeit". (Genes. C. 18, V. 10.) 2) ״ ויין של צהריםUnd der Wein am Mittag." Auf den sonnigen Morgen der Kindheit folgt die lebenskräftige thatendurstige Jünglingszeit. Nicht wahr, m. A., es in ein schönes, herzerquickendes Bild, ein solches Menschenkind, den Kopf voll hoher Entwürfe, das Her; voll edler Regungen. Ihm ist noch Alles hell und leuchtend, ihm erscheint noch Alles auf Erden edel und gut, es hat noch keinen Blick gethan in die Niedrungen des Lebens, er hat noch nicht geschaut in die dunkeln Höhlen, in denen die Noth wohnet und das Leid und der Kulnmcr und die Entbehrung und die schmerzliche Entsagung, in seinen Adern tobt wie feuriger Wein die Thatenlust, und weil es die Welt nicht kennt, glaubt es sie in einem Ansturin erobern zu können. Fürwahr ein schönes Bild, aber weißt Du auch, wie gefährlich dieser feurige Ansturm, dieser Wein am Mittag, dem Hochauistrebenden werden kann? Wie schmal, wie unendlich schmal, ist die Grenze, welche Jugendlraft von thörichter Vergeudung, Selbstvertrauen von Stolz und Ueberhebung, Freiheitsdrang von Zucht- und Sittenlosigsieit scheidet? O w.e bald hat Verführung den Aufwürtsstrebendcn abwärts geführt, wie bald sind die Ideale der Zukunft erblaßt, wie bald hat der Weg zum Lichte sich in den Höhlen des Lasters verloren! Wohl dem jungen Wandrer, dem in solchen Augenblicken ein weiser Führer und Berather zur Seite steht, wohl ihm, wenn die ewige Wahrheit des Glaubens sein Leitstern ist zu jeder Zeit. Seht, m. A., in dem dem Jünglingsalter entsprechenden Mussafgebet verrichten wir mit unseren Lippen, da wir's mit der Thal nicht können, die Aboda, den Hohepriesterdienst im Tempel, da ist jeder Schritt vorgezeichnet, jede Handreichung geboten, jede Bewegung geordnet,