Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Ungebildeten bringen den Menschen um seine Welt. (Sprüche der Väter (III, 14) 1) ״ שגה של שהריתSchlaf am Morgen! Wie? geißelt der Rabbi damit behagliche Bequemlichkeit? Wird eine tadelnswerte, aber doch nicht todeswürdige Gewohnheit so bitter gerichtet? Verstehen wir ihn nur recht. Einen anderen Morgen meint er, einen anderen Morgen beschwört er Dich nicht zu verschlafen, den Morgen Deines Lebens, die thaufrische Zeit der Jugend, das leuchtende Morgenrot des erwachenden Verstandes, die srühlingsfrohe Zeit der Aussaat, in welcher das Gemüt befruchtet werden soll und bearbeitet für die Segensernten der Zukunft, ״ בבוקר זרע זרעךam frühen Morgen säe die Saat", in früher Jugend senke in das empsängliche Gemüt Deines Kindes den Samen der Liebe und des Glaubens, der Tugend und des Vertrauens, am Morgen ackere und pflanze in das Herz deines Kindes den Glauben an Gott und den Glauben an die Menschen, in der Jugend schon laß es glühend lieben alles Hohe und Edle, alles Wahre und Gute, in der Jugend schon laß es stolz sein auf die Geschichte seines Volkes, lehre es treu zu sein, edel und gut, am Morgen schon jäte aus jedes falsche Korn und jedes üppige Unkrant. Soll der Garteit der Unschuld in holdseligster Pracht Dir erblühen, o Gärtner, Menschengärtner, benutze ben taufrischen Morgen! Wehe dem nachfolgenden Geschlechte, wehe, wenn Ihr den schönen Morgen verschlafen, wenn Ihr die Zeit der Saat verschlafen habt, Ihr habt Euch um Eure, Ihr habt die Kinder um ihre Welt gebracht, Ihr habt ihnen des Lebens Halt von vornherein geraubt, nach verschlafenem Morgen erwachen sie zu einem Tage voller Zweifel und Versuchungen, voller Prüfungen und Gefahren, nichts ist in ihrer Hand, was sie den Stürmen und Bedrängnissrn des Lebens entgegensetzen können, kein Fruchtkorn ist in ihre Brust versenket, darum kann auch feine Blüte heilvoll sprießen. O, m. A., es ist eine große, gewaltige Schuld, den Morgen verschlafen, die Jugend unbelchrt, ununtermiesen gelassen zu haben, eine große Schuld und wert, am heutigen