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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 12 (sequence 18)
Language
German
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12 und eine Leere starrt uns entgegen. Auch sind die wenigen Blatter, die hier und da beschrieben sind, gewöhnlich schmutzig und besudelt, denn die Thaten, Gesinnungen und Absichten, welche olle merkwürdigerweise verzeichnet sind, tragen den Stempel der Unlauterkeit an sich. Blutig rot und pechschwarz verzeichnet ist hier auf der anderen Seite die Uuthat des Betruges, der Rache, der Gier, der sinsteren Leidenschaft, der Sittenlosigkeit, des Menschenhasses, und Verfolgung der Unschuld. Kaum daß ab und zu ein Blatt zu sehen, welches entweder am Anfang oder gegen das Ende des Buches zu finden, wo von einer menschenwürdigen Absicht, Humanität und edler Thal gemeldet wird. Die noch unverdorbene Jugendzeit oder das schon sündenüberdrüssige Alter, also Anfang und Ende des Buches, sind etwas erheblicher. Alles in Allem aber legen wir das Buch weg mit Wehmut — es ist ein Buch des Todes, des Unsegens, manchmal auch des Fluches. Das ist dus Buch des Bosewichtes, sie haben sich eingeschrieben ins Buch des Todes. Unwillkürlich greifen wir nach einem andern Buche. Wir zögern etwas, wir möchten doch so gern von dem Gegenteil uns erbauen lassen. Glücklicherweise ist dieses andere Buch wohl nicht so dickleibig, doch ein so ausgesprochenes Gegenstück zum frühern, daß wir uns nicht genug satt sehen, satt lesen können an seinem inhaltschweren Bericht. Wir schlagen es auf und mit Thränen geschriebenen Material finden wir verzeichnet die Entbehrungen, die harten Drangsalszeiten des Jünglings. Obwohl mit Thränenwasjer geschrieben zerfließt die Inschrift nicht, das Papier ist schneeweiß, wie der Charakter, wie die Seele des Schreibers. Wir blättern weiter und lesen, von den mannigfachen Kämpfen die der frühreife Mann oder die hart geprüfte Frau zu bestehen hat gegen eine Welt feindlicher Elemente, der blasse Neid, die hohläugige Schelsucht, die schlangenglatte Verführung liegen gebändigt und es tritt unser Held oder die Heldin siegreich hervor, unverdorben ist geblieben das Herz, rein der Charakter, empfänglich das Gemüth, goldgerändert ist dieses Blatt aus dem Lebe ns buch.

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