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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 11 (sequence 17)
Language
German
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11 eine Kunde daraus, im Großen und Ganzen aber ist es ein Geheimnis für die Welt. Wie sich aber mit dem geschlossenen Menschenleben das Buch von selbst schließt, wird es sofort weltbekannt. Es öffnet sich von selbst und jeder kann den Inhalt durchlesen. Wenn wir an ein solches geschlossene und doch von selbst sich öffnende Buch herantreten, nehmen wir sofort zwei Thatsachen wahr. Die eine ist, ob es ein dickes oder dünnes Buch ist, die andere, ob alle Blätter vollgeschrieben sind oder nicht. Auch darauf kommt es wesentlich an, mit welchem Material das Buch beschrieben ist. Ja, sogar die Farbe der Buchstaben füllt auf. Manche Blätter sind mit vergoldeten Buchstaben in vergoldeter Umrandung, manche mit Pechschwarzem Stoff geschrieben, je nachdem nämlich der Inhalt und die Natur des Niedergeschriebenen geartet ist. Tief interessiert wie wir nun einmal sind, machen wir uns beim Durchlesen des Buches Noten dazu, zählen die Blätter mit goldener, blutiger und pechschwarzer Inschrift zusammen und sagen uns dann, dieses Buch mit überwiegender goldschimmernder Schrift ist ein Buch des Segens, jenes mit überwiegend blutiger und pechschwarzer Schrift, dem auch der Inhaber entspricht, ist ein Buch des Unsegens.-— Freunde! Ihr habt's bereits längst erraten, ich spreche vom Leben, das Buch ist das Buch des ein Erdendasein zum Abschluß gebrachten Lebens. Des Einen Lebensbuch ist ein dickleibiges, vollgeschriebenes; das des Anderen — ein dünnes, inhaltloses. Es kommt nicht einmal daraus an, ob diesem ein langes Erdenmaß an Jahren zugemessen ward und jener nur ein kurzlebiges Dasein zum Anteil erhielt. Mancher mit 80 und 90 Jahren hat oft ein dünnes nichtssagendes Büchlein hinterlassen und ein andere, dessen Dasein verhältnismäßig kurzlebig genannt wird nach menschlichen Urteil, hat einen foliostarken Band voll köstlichen Inhalts der Menschheit zum Vermächtnis zurückgelassen. Der Dutzendmensch, der Sinnenmenseb, der Tiermensch hat gar wenig zu verzeichnen in sein Buch. Wir schlagen um Blatt um Blatt

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