Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Aufgabe sich zu Hilfe zu nehmen einen liefsinnigen Ausspruch unserer Weisen. Er lautet: ,,Drei Bücher werden am Neujahrstag geöffnet, das eine ist das der durchwegs Frommen, das andere der durchwegs Bösen und endlich das Buch der in derMitte Stehepden. Die Frommen werden in das Buch des Lebens, die Bösen in das Buch des Todes eingezeichnet, die in der Mitte Stehenden erhalten die Gnadenfrist von Rosch haschana bis Jom hakippurim: so sie sich bessern, werden sie in das Buch des Lebens, so nicht, in das Buch des Todes vermerkt/' ES wäre eine abergläubische, niedrrge Vvrüellung, diesen Ausspruch buchstäblich nehmen zu wollen. Gott, der Bergangenheit, Gegenwart und Zukunft jedes einzelnen seiner Millionen Geschöpfe mit einem Blicke überschaut, braucht nicht erst seinem allumfassenden Gedächtnis durch äußere Menschenmittel zu Hilfe zu kommen. DaS Lebensbnch wie das Todtenbuch wird nicht im Himmel geöffnet, sondern hier auf El den, und nicht Gott öffnet es, sondern wir, die Menschenkinder. Das Buch eines jeden Einzelnen öffnet sich und Gutes und Böses schreibt sich selbst ein, und das Urteil verliest sich selbst und das Ergebnis hört sich von selbst, nicht nur heute und von heute bis zum Jom kippurim, sondern für alle Ewigkeit und Unendlichkeit. Dieses Buch hat gar manche Eigentümlichkeiten und es verlohnt sich, dasselbe näher zu besichtigen. Zunächst füllt uns aus die unendliche Zahl und Mannigfaltigkeit. Es ist dies kein Buch der Statistik, wo alle Namen mit Stand und Charakter in trockener Namenelatnr eingetragen sind. Es ist das kein Lammelbuch für alle in kollektivischer Zusammensassung der Lebenden und Tobten, vielmehr hat jeder Lebende und Todte ein eigenes, ihm ausschließlich angehörendcs Buch. So lange der Mensch lebt, ist sein Buch nicht gebunden, es besteht aus losen Blättern. So bald er aber seine irdische Laufbahn beendet hat, schließt sich das Buch, die losen Blätter fügen sich zu einander, eine unsichtbare Hand bindet sie und schließt sie ab. So lange der Mensch lebt, ist der Inhalt nur teilweise gekannt, nur ab und zu dringt in die Oeffentlichkeit