Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 141)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9616701-9618237-9618238--2344-9618377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
135 w immer siegreich; sobald er seine Hand sinken ließ, d. h. sobald Dir das Zeichen der Einigkeit fehlte, da entstand Unordnung und Verwirrung, da mangelte das Zusammenwirken in geschlossenen Reihen, und Du erlagst, mußtest erliegeil — das gedenke und beherzige Israel zu allen Zeiten und allen Orten, und dessen sollen stets und vor Allem auch gedenken die Führer in Israel — darum sagen wir: ״Es hat der Rabbiner auch der Wächter seiner Gemeinde zu sein," der darüber wacht, daß keine Eingriffe in die Ehre und Würde seiner Gemeinde Vorkommen, der Angriffe zurückweist und Vorurtheile widerlegt, denn es muß der Lehrer und Verkünder der Wahrheit, auch den Kampf gegen die Lüge, gegen die Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit, aufzunehmen sich nicht scheuen, er muß die heiligsten Güter seiner Gemeinde zu schützen, zu wahren und zu vertheidigen wissen, er muß der nie schlummernde Wächter Israels sein. Aber nicht blos ein Wächter gegen Angriffe von Außen, sondern auch ein Wächter der inneren Einrichtungen, der religiösen Institutionen seiner Gemeinde hat der Rabbiner zu sein, und das ist's, was ergänzend der dritte Bote (,פ' פח״) ihm als Mahnung zuruft. Wir denken, liebe Freunde, hierbei zunächst an den ״Gottesdienst", an dessen Verherrlichung und Veredelung, Hebung'und Belebung zu arbeiten, ein Hauptzweig der rabbinischen Wirksamkeit sein muß, und zwar derjenige, in welchem die Ansichten, Ueberzeugungen und ganz besonders die Gefühle am meisten auseinandergehen. Während die Sehnsucht, das Verlangen, Gott zu dienen, ein einheitlicher Zug ist, der durch alle Menschenherzen geht, giebt es in Bezug auf die Formen des Gottesdienstes wohl kaum zwei ganz übereinstimmende Ansichten, man hat es hier eben mit dem dunklen Faktor des Gefühls und mit der unbezwinglichen Macht der Gewohnheit zu thun. Ta stehen in Israels Gemeinden zwei Parteien einander gegenüber. Tie Einen wollen Gott nur im Geiste verehren, sie rufen: Fort mit der Form, mit der Schale, mit der Ceremonie! Und die Anderen wiederum umklammern ge-