Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 132)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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126 Aber wohl dem, der all' den Gaben, die sonst sein Geist spendet, ein Körnlein Salz beimengen kann; unsere Hausfrauen werden uns sagen, daß es selbst den süßesten Speisen nicht völlig sehlen darf. Das Sieben ist so ernst und schwer, daß. wer durch gefälligen Scherz ein fröhliches, heiteres Lachen erweckt, schon dadurch ein gutes Werk übt. Der Humor wird nun von denen gering geschätzt, die keinen haben. Die Wahrheit ist oft eine bittere Pille, aber wenn sie in Witz eingehüllt uns beigebracht wird, findet sie leichter Eingang; während sie dem Polterer die Thür weisen, laden wir den Humoristen, der uns dasselbe sagt, sreundllch in's Haus. Ost wird in einer Gesellschaft die Stimmung gespannt, gewitterschwül; mit ernsten Reden ist da nicht zu helfen; da löst ein geistreiches Scherzwort die Spannung, die Wolken weichen, die Mienen erheitern sich und der Friede ist wieder hergestellt. 'Nicht zu vergessen, daß der Witz eine vortreffliche Waffe ist, die nicht einmal unsere Propheten verschmäht haben. Nun, unser Jubilar hält sich an das Bibelwort: ״Zu jedem Deiner Opfer thue Salz;" dieses Körnlein Salz thut dem Ernst seiner Ueberzungen keinen Eintrag. Es giebt in allen Bekenntnissen Prediger, welche gleichsam den Talar nie ablegen, welche einen gespreizten salbungsvollen auch für die Kanzel ungehörigen Ton in das gesellige Leben hineintragen; es wäre eine kühne Behauptung, daß diese pathetischen Herren dazu beitragen, die Beliebtheit des Predigerstandes zu erhöhen; Ihr Rabbiner wirkt für die Religion auch im geselligen Leben, weil er das Salz nicht verschmäht, weil durch diese Würze die religiöse Wahrheit Manchem mundgerecht wird, der sonst keinen Gefallen an ihr findet. Aber das Salz ist auch scharf. Das wäre kein rechter Vorkämpfer der Wahrheit, der stets nur mit den leichten Geschossen des Witzes für sie stritte; es giebt einen heiligen Zorn; mögen Andere den Gleichmuth Derer rühmen, die auch durch die kecke Verhöhnung des Heiligen nicht außer Fassung gebracht werden, die auch, wenn das Recht verletzt