Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 133)
- Language
- German
- Belongs to
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127 wird, ruhig bleiben. Edler dünkt uns der Mann, der mit scharfen Worten den Frevel rügt, dem die Zornesader schwillt, wenn die Bosheit Triumphe feiert. Unsere Alten sagen: Wenn ein Gelehrter heiß wird, so ist es die Thora, die in ihm aufloht, so ist es die Begeisterung für das Heilige, die ihm die glühenden, scharfen Worte eingiebt; der Talmud sagt: ״Das Salz, manche Gegenstände erhalt es, manche verzehrt es." Wer, wie unser Jubilar, Jahrzehnte im Kampfe steht mit der Lüge, die wie die Schlange uns auflauert, dem dürfen die scharfen Worte nicht fehlen, die den Gegner verzehren. Auch dieses Salz ist nicht verwerflich, aber freilich das wichtigste ist das Salz des Gottesbundes. Tie Thora wird dem Salze verglichen. Es ist ein großer Segen des gegenwärtigen deutschen Judenthums, daß in ihm die Gemeind e das große Wort führt. Wir wollen kein Consistorial- Judenthum, wo gleichsam die Religion von einigen bestallten Beamten besorgt wird; wer immer etwas vom Judenthum versteht, wer mit unserm Schristthnm vertrant ist, der soll nicht stolz von der Menge sich sondern, er soll in die Gemeinden treten und durch Wort und Schrift und That auf die Menge wirken; wenn auch der Staat dem rabbinischen Amt keine Autorität verleiht, das Leben ist stärker als das Gesetz; und jeder Rabbiner, der seinen Berns versteht, genießt durch sein Wissen und seinen Charakter das Ansehen, welches um so erfreulicher ist, als es die freie Gabe der Liebe ist. Nur darf dem Führer das Salz des Gottesbundes nicht fehlen; das Judenthum ist keine Religion von heute und gestern; es will aus seiner Geschichte, auch seinem reichen Schriftthum begriffen werden; welche Schätze sind da zu heben! man hat den Talmud mit einem Meere verglichen, welche Perlen ruhen auf seinem Grunde! und das Salz der Thora, welches die jüdische Gemeinschaft vor Fäulniß bewahrt hat, ist ein mehrfaches; die Thora muß gelernt, und sie muß gelehrt und geübt werden; das Alles hat Ihr Rabbiner gethan; er hat von seinem Salze der Gemeinde gespendet, er hat Vereine in's Leben gerufen, die sich der