Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Josua hatte sogleich beim Einzug ins gelobte Land dafür ein erhabenes Beispiel gegeben. Tie Gibeoniten hatten durch List von Josna und den Aeltesten die Schliessung eines Bundmsses erschlichen. Bald erfuhr Josna die Täuschung, aber er liefe die Gibeoniten in ihren Bezirken: sein gegebenes Wort war ihm heilig: indes; seine Treue gegen diejenigen, die sich nicht ans Liebe zum Judenthum, sondern aus Furcht und Eigennutz ihm angeschlosseu hatten, hatte noch eine härtere Probe zu bestehen; die Könige Emori's vereinigten sich gegen Gibeon, um es für den Abfall von der gemeinsamen Sache zu strafen und hätte Josua nur die Klugheit zu Rache gezogen, so Hütte es ihm vielleicht ganz recht sein können, daß sich die Bewohner Kanaans untereinander ausrieben und er dabei der unbequemen Gibeoniten entledigt wurde. Aber nicht so verstand Josua die Treue gegen diejenigen, die, und sei es auch aus unwürdigen Absichten, sich dem Judenthum angeschlosseu hatten. Tie Gibeoniten sandten zu ihm und baten: Lasse Deine Hand nicht von Deinen Knechten, und schon brach Josua von Gilgal ans und zog gegen die Könige Emori's.*) Josua betrachtete die Sache der Gibeoniten wie die eigene und mit Heldenmuth kämpfte er zu ihrem Schutze; aber das *) Xamal* wurde die Schlucht geliefert, welche deu Josua höchstnnverdienteiiiiaßen iu deu Ruf gebracht, daß er die Sonne;11111 Still׳ stehen veranlaßt habe, da sie doch wie bekannt schon seit den Tage» der Schöpfung steht. Dieses Märchen geht noch heute von Zeit zu Zeit durch die Tagesblätter und kvinnit nicht zur Ruhe. Darnin sei uns die Abschweifung gestattet, den Sachverhalt einfach darznstellen: Josua war die ganze Nacht hindurch von Gilgal inarschirt und plötzlich stand er vor dem Feinde, die seines Angriffes nicht gewärtig waren. Aber ein Unwetter war am Horizonte aufgezogen, das sich später in Hagelschauern und in einem Steinregen entlud, der Himmel verfinsterte sich: wäre dieses Unwetter sogleich losgebrochen, die Frucht der Ueberraschnng, der sichere Sieg, wäre dem Josua verloren gegangen. Da bat Josua, daß die Sonne am Himmel sichtbar bleiben, daß Gott den Ausbruch des Wetters verzögern möge. Dies geschah und Josna errang einen völligen Sieg: nachdem die Feinde in die Flucht geivorfen waren, halfen Hagel und Steine, die vom Himmel jetzt niederfielen, die Niederlage vergrößern. Hierin ist nichts Wunderbares. Daß Josua und die Israeliten hierin ein Walten Gottes sahen und ihm in schwungvollen Worten priesen, ist natürlich: aber eine Wandlung der Sternenbahnen ist dadurch nicht beabsichtigt und nicht erzielt worden.